Auseinandersetzungen zwischen armenischen und griechischen Christen in Jerusalem

In der „Auferstehungskirche" zu Jerusalem ist es (nach „Jerusalem Post", 9. November 2008) zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen altorientalischen Armeniern und orthodoxen Griechen gekommen. Nach Darstellungen des armenischen Patriarchats hätten 20-30 Griechen eine armenische Prozession gestört, die vom armenischen Bischof Aris (Shirvanian, *1934) angeführt wurde. Beide Seiten hätten daraufhin aufeinander losgeschlagen und aufeinander eingetreten und sich mit Gegenständen beworfen.

Bekanntlich befinden sich in der „Auferstehungskirche" der Felsen von Golgatha, das Grab Christi und andere Stationen des Leidensweges Christi. Um den ständigen Streitigkeiten zwischen verschiedenen christlichen Denominationen ein Ende zu setzen, war bereits in osmanischer Zeit ein sog. „Status quo" erarbeitet worden, der bis ins kleinste Detail regelt, welche Kirche was wann darf - und was nicht. Diesem Reglement zufolge darf sich z.B. weder ein Orthodoxer noch ein Katholik am Grabe Christi befinden, wenn der armenische Bischof kommt.

Der israelischen Polizei gelang es nach eigenen Angaben schließlich, die orthodoxen Griechen abzudrängen. Der armenische Bischof Aris verzichtete angesichts dieser Feindseligkeiten dann aber auf seinen Besuch am Grabe Christi. Es sei dann zu Verhandlungen zwischen Griechen und Armeniern gekommen, die aber offenkundig ergebnislos geblieben seien. Denn die Griechen seien abermals über die armenische Prozession hergefallen. Die Polizei habe nur unter Anwendung „exzessiver Gewalt" die Ordnung wieder herstellen können.

Die immer wieder aufflackernden Streitigkeiten um Kompetenzen an der Auferstehungskirche zwischen verschiedenen Kirchen und Jurisdiktionen, welche die Kirche nutzen, haben die dringend nötigen Reparaturen am Ölbaum-Kloster (Dir al-Sultan) auf dem Dach der Grabeskirche verhindert (darin leben Mönche der Äthiopischen Orthodoxen Tewahedo-Kirche). Auch der von der israelischen Regierung vorgeschlagene Bau eines Notausganges aus der Kirche konnte bisher nicht realisiert werden, da keine Einigkeit darüber zu erzielen war, wo dieser Notausgang nun eigentlich liegen soll.

Nach: Orthodoxie Aktuell, 12/2008, S. 12; Newsletter der Botschaft des Staates Israel (Berlin), 7. Oktober; www.israelnetz.com, 8. Oktober 2008 - G.S.

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