Polnische Bischofskonferenz fordert totales Abtreibungsverbot

Polens katholische Bischöfe setzen sich für ein totales Abtreibungsverbot ein.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 1050. Jahrestag der Christianisierung Polens hat sich die Vollversammlung der Polnischen Bischofskonferenz für eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes ausgesprochen. „Das Leben jedes Menschen ist ein Grundwert und unantastbar“, heißt es in der Erklärung der Bischöfe. Es müsse alles unternommen werden, um Frauen durch „umfassende und wohlwollende Betreuung sowie medizinische, materielle, psychologische und rechtliche Hilfe“ von Abtreibungen abzubringen.
In Polen wird seit Wochen über eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes gestritten. Die Stiftung Pro – Prawo do Życia („Pro – Recht auf Leben“) strebt eine Volksinitiative an, die das Parlament dazu verpflichten würde, sich mit ihrem Gesetzesentwurf zu beschäftigen. Dieser sieht eine klare Verschärfung der geltenden Regelung vor: Schwangerschaftsabbrüche sollen künftig – außer bei Lebensgefahr für die Frau – mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Unterstützung erfahren die Initianten von der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Auch die Polnische Bischofskonferenz sprach sich Anfang April in einem Hirtenbrief für den „vollen rechtlichen Schutz von ungeborenem Leben“ und indirekt für die Initiative der Abtreibungsgegner aus. Die jetzige Regelung bezeichneten sie als „Kompromiss“, mit dem man sich nicht zufrieden geben dürfe. Allerdings distanzierten sich die Bischöfe nun in ihrer Erklärung von den in der Initiative geforderten Haftstrafen. Die Frauen sollten vielmehr durch wohlwollende Betreuung und Hilfe von Abtreibungen abgebracht werden.
Gegen die Initiative sowie deren Unterstützung durch die katholische Kirche und die Regierung haben in den letzten Wochen wiederholt tausende Menschen protestiert. Zudem haben die Abtreibungsbefürworter eine eigene Initiative zur Liberalisierung des Abtreibungsgesetzes angekündigt. Polens Abtreibungsgesetz ist schon jetzt eines der strengsten in Europa. Nur in Ausnahmesituationen, wenn die Gesundheit oder das Leben der Frau gefährdet ist, nach einer Vergewaltigung oder Inzest oder bei einer schweren Missbildung oder Krankheit des Fötus, sind Abtreibungen erlaubt. 2014 wurden nach Regierungsangaben 977 Abtreibungen registriert. Nach Schätzungen von Frauenrechtlerinnen treiben jedoch jedes Jahr rund 10 000 Polinnen illegal ab, viele von ihnen im Ausland.

Kathpress, 31. März, 5., 17. April 2016 – N. Z.

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