Lettland: Lutherische Kirche schafft Frauenordination ab

Die Evangelisch-Lutherische Kirche Lettlands (LELK) hat die Frauenordination offiziell abgeschafft.

An der Synode Anfang Juni in Riga sprachen sich 201 von 282 Synodalen dafür aus, künftig nur noch Männer zum ordinierten Amt zuzulassen. Damit wurde in der kirchlichen Verfassung verankert, was faktisch seit mehr als 20 Jahren praktiziert wird: In der LELK wurden lediglich von 1975 bis 1985 und von 1989 bis 1992 auch Frauen ordiniert. Der amtierende Erzbischof Jānis Vanags hat seit seiner Einsetzung 1993 keine Frauen mehr ordiniert (s. RGOW 1/2015, S. 18–21).

Der EKD-Ratsvorsitzende und bayrische Landesbischof, Heinrich Bedford-Strohm, kritisierte den Entscheid. Leidtragende sei vor allem die lettische Kirche selbst, „weil sie sich des großen Reichtums von Frauen im ordinierten Amt beraubt“. Ablehnend äußerte sich auch die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), deren Leitender Bischof Gerhard Ulrich betonte, für Lutheraner könne es „in geistlicher Hinsicht einen Unterschied zwischen Mann und Frau nicht geben. Alle Christen sind gleich und in gleicher Weise durch die Taufe zu Gliedern der Kirche und zur Priesterschaft berufen.“

Der Lutherische Weltbund (LWB) hat die LEKL aufgefordert, die Abschaffung der Frauenordination zu überdenken. Der Rat des LWB betonte in einer Erklärung anlässlich seiner Jahrestagung in Wittenberg, dass der Ausschluss von Frauen als „Abwertung aller Frauen“ wirke und ihre „Diskriminierung in Kirche und Gesellschaft“ verstärke. Die LEKL steht mit ihrer Haltung im LWB allerdings nicht alleine. Etwa 30 der insgesamt 145 Mitgliedskirchen praktizieren keine Frauenordination. Auch die Kirchen des Internationalen Lutherischen Rates, unter ihnen die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), ordinieren ausschließlich Männer.

KNA-ÖKI, 6. Juni; epd-Wochenspiegel Nr. 26, 27. Juni 2016.

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