Russland: Patriarch Kirill betont Trennung von Staat und Kirche

Das Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK), Patriarch Kirill, hat in einer Rede vor dem russischen Parlament die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat betont.

Während seiner achtjährigen Amtszeit habe es keinen einzigen Einmischungsversuch seitens eines Staatsvertreters gegeben. Ebenso wenig hätten er oder seine Mitbrüder das Bedürfnis, sich in staatliche Angelegenheiten einzumischen. Die in den vergangenen 20 Jahren entstandene Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat entspreche ganz dem Verfassungsprinzip des säkularen Staates, erklärte Kirill. Jedoch sei es die „moralische Verantwortung“ der Kirche, ihre Meinung zu den Vorgängen im Land und besonders zu denen, die das „innere, geistliche Leben der Menschen“ betreffen, zu äußern. Dabei sei die Säkularität des Staates kein Hindernis für Dialog und Zusammenarbeit.
Scharf verurteilte Kirill die Feindseligkeiten zwischen Russen und Ukrainern, indem er auf die „Besonderheiten der Geschichte und Kultur“ Russlands verwies, zu denen gute Nachbarschaftsverhältnisse, interreligiöser und zwischenstaatlicher Dialog und die Einigkeit der durch die historische Rus’ verbundenen Völker gehöre. Zudem erinnerte er an die „Blutsbande“ zwischen diesen Völkern, namentlich den Ukrainern und Russen. Als Oberhaupt der ROK, die nicht die Kirche der Russischen Föderation, sondern vieler Völker sei, schmerzten ihn die Ereignisse in der Ukraine. Diese „wirken sich auch auf die russisch-ukrainischen Beziehungen aus, was in vielerlei Hinsicht – und das ist schon kein Geheimnis mehr – von ausländischen Kräften verursacht wird“, sagte der Patriarch weiter. Er rief die beiden Völker dazu auf, ihre brüderliche Gemeinschaft und Einigkeit zu bewahren und ihrer gemeinsamen Geschichte zu gedenken.
Der Patriarch sprach auch die Themen Terrorismus und religiöser Fundamentalismus an. Letzteren führte er unter anderem auf „Versuche, antireligiöse Systeme aufzuzwingen“, die eine radikale religiöse Antwort provozierten, zurück. Zudem verurteilte er das in einigen Staaten verbreitete „Prinzip der Abhängigkeit des gesellschaftlichen Lebens vom Diktat verschiedener Minderheiten“, das bei vielen Menschen zu Verunsicherung und Werteverlust führe. Bei seiner Erörterung „aktueller Fragen“ rief das Kirchenoberhaupt die Abgeordneten auf, gegen das „furchtbare Phänomen“ der Abtreibung in Russland vorzugehen. Denn heute herrsche in der russischen Gesellschaft das „zynische Prinzip“, für das eigene Wohlergehen das Leben der Nachkommen zu opfern. Kirill forderte einen „Maßnahmenkomplex zur Unterstützung von Mutterschaft und Kindern“, um Anreize für Großfamilien zu schaffen.

www.patriarchia.ru, 26. Januar; KNA-ÖKI, 30. Januar 2017 – N. Z.

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