Russland: Debatte um Film „Matilda“

Obwohl bisher nur ein Trailer veröffentlicht worden ist, sorgt der Film „Matilda“ des russischen Regisseurs Aleksej Utschitel´ für Aufregung und Proteste in orthodoxen Kreisen in Russland. Im Film geht es um den russischen Thronfolger Nikolaj und dessen Affäre mit der Primaballerina Matilda Kschesinskaja. Der spätere Zar Nikolaj II. wurde mit seiner Familie 1918 von den Bolschewiken erschossen und im Jahr 2000 von der Russischen Orthodoxen Kirche als Leidendulder heiliggesprochen.
Bereits im Sommer waren 10 000 Unterschriften für eine Online-Petition zu einer Abänderung des Films zusammengekommen. Mittlerweile hat sich auch die Duma-Abgeordnete Natal´ja Poklonskaja an den Generalstaatsanwalt gewandt, weil sie eine Verletzung religiöser Gefühle durch den Film befürchtet. „Mathilda“ stelle Russland als „Land des Galgens, der Trunkenheit und Unzucht“ dar. Laut Poklonskaja dürfe eine bewusst antihistorische Verfälschung mit dem Ziel, den Zaren-Märtyrer zu diskreditieren und zu verspotten, nicht in den Verleih kommen. Zudem forderte sie eine Bestrafung der Filmemacher.
Eine angebliche Organisation orthodoxer Aktivisten mit dem Namen „Christlicher Staat – Heiliges Russland“ droht nach Angaben des Regisseurs Kinobetreibern sogar mit Brandstiftung und Gewalt, wenn sie den Film zeigen sollten. Er habe den Kinostart daher bereits vom Frühjahr auf Oktober 2017 verschoben.
Das Komitee für Kultur der russischen Duma hat sich klar für die Freiheit der Kunst ausgesprochen. Das Recht der Bürger auf freies Kulturschaffen und der Schutz von Kunstwerken vor Vandalismus müsse gewährleistet werden. Das Komitee wies darauf hin, dass sich in letzter Zeit die Fälle von Diskussionen und sogar gewalttätigen Handlungen aufgrund kultureller Ereignisse gehäuft hätten. Auch in Kirchenkreisen gibt es Stimmen zur Unterstützung des Films, so von Diakon Andrej Kurajev. Der liberale Priester und Publizist Jakov Krotov wies darauf hin, dass Nikolaj II. für seinen Märtyrertod heiliggesprochen wurde, nicht für einen vorbildlichen Lebenswandel. Daher sei nichts gegen einen Film einzuwenden, der Schwächen des Zaren darstelle. Mehrere russische Regisseure warnten zudem vor Zensur und ergriffen Partei für ihren Kollegen. Die russische Regierung betonte, sie werde streng gegen Drohungen von Extremisten gegen den Regisseur vorgehen. Das Ministerium für Kultur will hingegen die Veröffentlichung des Films abwarten.

www.portal-credo.ru, 3. November 2016, 11., 13., 24. Februar 2017; KNA-ÖKI, 13. Februar 2017 – N. Z.

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