Baptisten in Moldova und in Transnistrien

Laut Valeriu Ghile?i, dem Präsidenten der «Union der christlich-evangelischen Baptistenkirchen Moldovas» sind die Beziehungen der Baptisten zum Staat in Transnistrien (dem schmalen, 202 km langen Landstreifen am Ostrand der Republik Moldau, der sich 1990 von dieser abgespalten hatte) besser als in der Republik Moldau / Moldova selbst: «Igor Smirnow, der Präsident von Transnistrien, pflegt unsere baptistische Führung einzuladen, wenn Gespräche mit religiösen Leitern geplant sind. Letzthin hat Präsident Smirnow die Baptisten als lobenswertes Beispiel hervorgehoben.» Dagegen habe das Ende 2007 in der Republik Moldau verabschiedete Religionsgesetz das Leben der Protestanten noch erschwert.

Ghile?i, der in Chi?in?u / Kischinjow residiert, sagte dazu: «Wir haben noch relativ viel Freiheit, aber das neue Gesetz ist keineswegs das, was wir uns gewünscht haben. Es räumt der Orthodoxie eine Vorrangstellung ein und definiert den Begriff ‹Proselytismus› noch ‹großzügiger›. Wenn der Staat wollte, könnte er den Gesetzen zufolge der Missionsarbeit zahlreiche neue Restriktionen auferlegen.» In der Republik Moldau konkurrieren zwei orthodoxe Großkirchen miteinander: eine dem Moskauer und eine dem Bukarester Patriarchat (die Metropolie Bessarabien) angehörende. Beide Kirchen fühlen sich für die Republik Moldau und für Transnistrien zuständig (s. G2W 3/2008, S. 22f.).

Auch die Baptisten erkennen die politische Trennung nicht an: Ihre Gemeinden in Transnistrien bilden einen von neun Landesverbänden in Moldova und Transnistrien. Der Präsident der Baptisten erklärt: «Unser Landesverband ist in Transnistrien gesondert zugelassen, und in der baptistischen Verfassung bleiben alle neun eine Einheit. Es ist wichtig, dass wir weiterhin eine einzige bruderschaftliche Union bilden.» Das Passieren der Grenze zwischen der Republik Moldau nach Transnistrien ist Alltag; kompliziert wird es für moldawische Baptisten allerdings, wenn sie mehrere Tage in Transnistrien verbringen wollen. Knapp 50 % der Baptisten in Moldova- Transnistrien sind Glieder rumänischsprachiger Gemeinden und 45 % gehören zu russisch-, ukrainisch- oder bulgarisch- sprachigen Gemeinden. Präsident Ghile?i kommentiert: «Unsere Union und unsere Führung sind multiethnisch. Das bereitet manchmal Kopfschmerzen, das ist aber auch unsere Stärke. Als Minderheit in einem orthodoxen Lande müssen wir zusammenhalten. » Er selbst versteht sich als rumänisch- sprechender Moldauer.

Größere Schwierigkeiten bereiten den Baptisten allerdings interne Probleme: In den letzten 17 Jahren sind mehr als 10 000 Baptisten in den Westen ausgewandert; Valeriu Ghile?i befürchtet daher eine Führungskrise. «Es fällt uns schwer, neue Leitungspersonen zu rekrutieren. Die Wirtschaft ist sehr schwach, und unsere Gemeinden können es sich nicht leisten, Pastoren ein Gehalt zu zahlen.» Insgesamt beziffert die Union der Baptisten in Moldova die Zahl ihrer Glieder mit 21 000, die in 500 Gemeinden und Filialen zusammengeschlossen sind; davon liegen 25 Gemeinden mit knapp 4000 Gliedern in Transnistrien. Angesichts der starken Auswanderung sind die einmaligen Zuwachsraten unter den Baptisten Moldovas ein Hoffnungsschimmer. So gab es zu Sowjetzeiten im Gebiet Transnistrien nur drei oder vier Baptistengemeinden. Moldova und Transnistrien zusammen zählen 3,3 Millionen Einwohner, von denen 555 000 (17 %) in Transnistrien leben, das 12 % der gesamten Landesfläche Moldova-Transistriens ausmacht. Die Bevölkerung Transnistriens setzt sich zu etwa je einem Drittel aus Moldauern. Russen und Ukrainern zusammen.

Nach: William Yoder, Abt. für kirchliche Außenbeziehungen der RUECB, Moskau, 3. Dezember 2008 - G.S.

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