Tadschikistan: Gesetz zur Bewahrung von Traditionen verschärft

Am 28. August 2017 hat Tadschikistan eine Verschärfung des Gesetzes „Über die Regulierung von Traditionen, Feiern und Riten in der Republik“ verabschiedet, das verschiedene Neuerungen bezüglich religiöser Handlungen beinhaltet.

Beide Parlamentskammern haben den Gesetzesänderungen zugestimmt, die der tadschikische Präsident Emomoli Rahmon vorgeschlagen hatte und die nun mit seiner Unterschrift in Kraft getreten sind.

Die Anpassungen betreffen unter anderem alle Gedenk- und Trauerfeiern, die von nun an ohne das Schlachten von Vieh und Einladungen zum Essen sowie lediglich in Anwesenheit von Verwandten des Verstorbenen stattfinden müssen. Auch Hochzeiten und Beschneidungen werden künftig stärker reglementiert, zudem sind Feiern zur Rückkehr von der Hadsch-Pilgerfahrt nach Mekka nicht mehr erlaubt. Die Bußen für Übertretungen wurden erhöht, während Regierungsmitglieder, Beamte, Richter sowie Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft und Sicherheitskräfte ihre Posten verlieren, wenn sie oder ihre Kinder gegen das Gesetz verstoßen.

Das Gesetz verpflichtet Individuen und Organisationen in Tadschikistan zudem, sich an traditionelle und nationale Kleidung und Kultur zu halten. Obwohl nicht wörtlich festgehalten, gilt dieser Aspekt als ein Versuch, die Bevölkerung vom Tragen islamischer Kleidung abzubringen. Dabei geht es vor allem um den Hidschab, der anders als die traditionellen tadschikischen Kopftücher auch den Hals bedeckt. Anfang August hatten Polizisten und andere Beamte auf einem Markt Verkäuferinnen erklärt, wie sie sich zu kleiden hätten, und ihnen mit hohen Bußen bei Verstößen gegen die angebliche Kleiderordnung gedroht. Allerdings gibt es keine formellen Normen, die weibliche Kleidungsformen regulieren würden. Gegen islamische Kleidung bei Männern gab es bisher keine Kampagnen. Die tadschikische Regierung argumentiert damit, dass eine strikte Kontrolle der Religion nötig sei, um die Verbreitung „extremistischer“ muslimischer Organisationen und terroristischer Gruppen zu verhindern.

Auch in Kasachstan denkt die Regierung über ähnliche Verbote nach. So soll ein Gesetz eingeführt werden, das unter anderem das Tragen von Kleidungsstücken verbietet, die mit „destruktiven ideologischen Bewegungen“ in Zusammenhang stehen.

www.eurasianet.org, 11. August; www.noek.info, 14. August; www.interfax-religion.com, 14., 22., 28. August; www.rferl.org, 23. August 2017 – N. Z.

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