Ukraine: UOK–MP bezieht in der Autokephalie-Frage offiziell Stellung

Der Hl. Synod der Moskau unterstehenden Ukrainischen Orthodoxen Kirche–Moskauer Patriarchat (UOK–MP) hat an seiner Sitzung vom 25. Mai 2018 eine Erklärung zur aktuellen Frage der Autokephalie für die orthodoxe Kirche in der Ukraine verabschiedet.

Darin spricht er sich für eine Wiedervereinigung der orthodoxen Kirche in der Ukraine aus, warnt aber zugleich vor einer Einmischung der Politik in kirchliche Angelegenheiten.

Im April 2018 hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko das Ökumenische Patriarchat in Konstantinopel offiziell um die Gewährung der Autokephalie für die Ukrainische Orthodoxe Kirche gebeten und dabei Unterstützung von verschiedenen Seiten erhalten. So haben drei ehemalige Präsidenten der Ukraine – Leonid Kravtschuk, Leonid Kutschma und Viktor Juschtschenko – die Bemühungen um Autokephalie in einem gemeinsamen Statement befürwortet und auch das ukrainische Parlament hat sich mit großer Mehrheit für eine eigenständige Lokalkirche ausgesprochen. Zuspruch erhielt die Initiative auch von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche–Kiewer Patriarchat (UOK–KP), der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche (UAOK) und der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (UGKK).

Die Bischöfe der UOK–MP befürchten jedoch, dass eine mögliche Autokephalie zu einer weiteren parallelen Jurisdiktion und zusätzlichen Spannungen führen würde. Dies würde nicht nur die Sicherheit des Staates bedrohen, sondern auch eine mögliche künftige Vereinigung der orthodoxen Kirche in Frage stellen. Das „Volk könnte auf lange Zeit gespalten sein, wenn nicht auf immer“, heißt es in der Erklärung. Den Weg zur Überwindung der Spaltung sieht die UOK–MP daher in der Wiedervereinigung der orthodoxen Kirchen in der Ukraine.

Die Mitglieder des Hl. Synods merkten zudem an, man habe aus Konstantinopel keine offizielle Mitteilung erhalten. Von den anderen orthodoxen Lokalkirchen wisse man dagegen, dass sie der Initiative zur Autokephalie „skeptisch und negativ“ gegenüberstünden. Tatsächlich hat der serbische Patriarch Irinej der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK) „die volle Unterstützung“ und eine „entschlossene Verurteilung der Handlungen der Unierten und Schismatiker“ durch die Serbische Orthodoxe Kirche zugesichert. An der Preisverleihung der Stiftung Einheit der orthodoxen Nationen in Moskau, mit deren Preis Patriarch Irinej ausgezeichnet wurde, sagte er, „jeder, der den ukrainischen Schismatikern hilft, ist nicht nur ein Feind der ROK und der russischen Welt, sondern aller orthodoxer slawischer Nationen und der ganzen orthodoxen Welt.“

Die Bischofsversammlung der Polnischen Orthodoxen Kirche betonte die Notwendigkeit, sich in der Ukrainefrage an die kanonischen Normen zu halten. Sie verwies zudem darauf, dass in einem Staat jeweils nur eine Kirche autokephal sein könne, daher müssten die „schismatischen kirchlichen Gruppen“ zuerst zur kanonischen Kirche zurückkehren, erst dann könne über Autokephalie gesprochen werden. Die Autokephalie soll ihrer Meinung nach von der Mutterkirche mit dem Einverständnis aller Lokalkirchen verliehen werden, dabei dürfe man sich nicht von politischen Erwägungen leiten lassen.

Die Einmischung weltlicher Kräfte in kirchliche Fragen hält auch der Hl. Synod der ROK für unzulässig, wie Metropolit Ilarion (Alfejev), der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, nach dessen Sitzung am 14. Mai 2018 erklärte. Alle Mitglieder des Hl. Synods unterstützten die kanonische UOK–MP. Ein Ziel der Schaffung einer unabhängigen Ukrainischen Orthodoxen Kirche bestehe darin, die Orthodoxen in die Union mit Rom hineinzuziehen, sagte Ilarion außerdem gegenüber dem Fernsehsender NTV.

www.mospat.ru, 14., 23. Mai; www.interfax-religion.ru, 21., 28. Mai; www.risu.org.ua, 25. Mai; www.noek.info, 19. April, 3., 17. Mai 2018 – N. Z.

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