Frankreich: Ökumenisches Patriarchat löst russisches Exarchat auf

Das Ökumenische Patriarchat hat entschieden, das „Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa“ aufzulösen.

An ihrer letzten Sitzung Ende November erklärte die Hl. Synode, den Status des Exarchats mit Sitz in Paris „reorganisieren“ zu wollen. Das Exarchat geht auf die Emigration orthodoxer Russen nach der Revolution 1917 zurück. 1931 hatten sich die russischen Gemeinden in Westeuropa unter der Leitung ihres Metropoliten dem Patriarchat von Konstantinopel unterstellt.

In ihrer ausführlichen Stellungnahme begründete die Hl. Synode von Konstantinopel ihren Schritt mit den veränderten „pastoralen und spirituellen Bedürfnissen unserer Zeit“. Sie widerrief daher den Tomos von 1999, mit dem dem Erzbistum der Status eines Exarchats übertragen worden war. Die Entscheidung ziele darauf, die „Verbindung der Gemeinden russischer Tradition mit der Mutterkirche des Patriarchats von Konstantinopel zusätzlich zu stärken.“ Aus „pastoraler Fürsorge“ habe das Patriarchat beschlossen, die Gemeinden den lokalen Metropolien des Ökumenischen Patriarchats einzugliedern.

In einem Kommuniqué erklärte das Erzbistum, die „unerwartete Entscheidung“ verlange „tiefgreifende Überlegungen innerhalb des Erzbistums“. „In der Treue zur ursprünglichen Identität des Erzbistums“ werde eine Beratung mit dem leitenden Erzbischof Jean (Renneteau) in den Gremien, die von den Statuten vorgesehen und vom Hl. Synod bestätigt seien, stattfinden. An einer Pastoralversammlung am 15. Dezember entschieden die Priester, am 23. Februar in Paris eine Generalversammlung abzuhalten, an der alle Kleriker und gewählten Laiendelegierten der Gemeinden teilnehmen sollen.

Aufgrund seiner „Verwurzelung in den Gesellschaften Westeuropas“ habe das Erzbistum teils deren Kultur übernommen, insbesondere eine Verbundenheit mit demokratischen Werten, darunter das Prinzip einer Diskussion vor jeder Entscheidung. Es wurde betont, dass Erzbischof Jean weder die Abschaffung des Status des Pariser Exarchats noch seine eigene Abberufung verlangt habe. Daher bleibe er für die Gemeinden verantwortlich.

Das Moskauer Patriarchat hat die russischen Gemeinden in Westeuropa aufgerufen, sich seiner Jurisdiktion zu unterstellen. Erzpriester Nikolaj Balaschov, stellv. Leiter des Außenamts des Moskauer Patriarchats, erinnerte an einen entsprechenden Aufruf des damaligen Patriarchen Alexij II., sich der selbstverwalteten Metropolie der Russischen Orthodoxen Kirche anzuschließen. Nun sei es Zeit, diese „damals nicht von allen erhörte“ Aufforderung wieder zu bedenken. Er zeigte sich von der Auflösung des Exarchats nicht überrascht. Schließlich habe Konstantinopel auch die „Bischöfe, Geistlichen, Mönche und Laien der Ukrainischen Orthodoxen Kirche nicht gefragt“, ob sie die Autokephalie wollten.

Bereits im Oktober hatte die Gemeinde der Geburt Christi und des Hl. Nikolaus in Florenz aufgrund der Entscheidungen des Ökumenischen Patriarchats in der ukrainischen Kirchenfrage das Pariser Exarchat verlassen und sich der russischen Auslandkirche angeschlossen.

www.patriarchate.org, 29. November; www.exarchat.eu, 28., 30. November; www.interfax-religion.ru, 28. November; www.orthochristian.com, 17. Dezember 2018 – N. Z.

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