Russland: Anordnungen der ROK zur Coronavirus-Epidemie

Angesicht der Corona-Pandemie hat die Russische Orthodoxe Kirche (ROK) zur Umsetzung geeigneter prophylaktischer und hygienischer Maßnahmen aufgerufen.

Ihre Gotteshäuser will sie aber nicht schließen. Alle Gläubigen werden aufgerufen, für die Überwindung der Krankheit und um Kraft für die Ärzte zu beten.
Der Hl. Synod verabschiedete am 11. März eine Erklärung, die für die gesamte ROK gilt. Darin wird die Arbeit des medizinischen und freiwilligen Personals bei der Versorgung der Kranken sowie die Verhinderung einer weiteren Verbreitung des Virus als eine von Gott gesegnete gewürdigt. In Zeiten der Epidemie verweigere die ROK niemandem geistige Unterstützung und die Teilnahme an der Eucharistie. Die Kirche warnt aber vor der Leichtsinnigkeit, hygienische Maßnahmen zu missachten und damit sich und andere in Gefahr zu bringen. Insbesondere ruft sie bei der Verteilung der Kommunion zur Verwendung von Einwegbechern auf und zur häufigen Desinfektion der Ikonen.
Am 17. März folgte eine detailliertere Instruktion für Gemeindevorsteher sowie Klostervorsteher und -vorsteherinnen der Moskauer Eparchie mit 22 Regeln. Das Dokument hält bezüglich der Kommunion fest, dass der Löffel nach jeder Austeilung mit Alkohol desinfiziert wird, die „Zapivka“ (Wasser-Wein-Gemisch) individuell in einem Einweggefäss ausgeteilt wird, für das Abwischen des Löffels und der Münder Einwegtücher verwendet werden, die danach verbrannt werden sollen. Bei Taufen ist das Wasser in jedem Fall auszuwechseln und das Taufbecken mit Desinfektionsmitteln zu reinigen. Für die Myrrhensalbung sind Wattestäbchen zu verwenden und danach zu verbrennen. Zum Abschluss der Liturgie soll das Kreuz den Gottesdienstbesuchern nicht zum Kuss gereicht, sondern über sie gehalten werden. Auch die Hände der Priester sollen nicht geküsst werden. Bei der Verteilung des Opferbrots (Prosphora) sind hygienische Handschuhe zu tragen.
Sonntagsschulen, Gemeindeversammlungen und -kreise werden vorübergehend ausgesetzt. Die Sozialdienste der Gemeinden und Klöster werden aufgefordert, ältere Menschen bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln zu unterstützen. Alle Mitarbeiter werden zum mehrmaligen täglichen Händewaschen angehalten; diejenigen mit häufigem Kontakt zu Gemeindegliedern müssen zudem täglich Fieber messen und sich bei Bedarf in ärztliche Behandlung begeben. Den Gemeindegliedern ist zu erklären, dass diese Regeln als Befolgung der Worte der Hl. Schrift zu verstehen seien: „Du sollst den Herrn Deinen Gott nicht versuchen“ (Mt 4,7). Bei Krankheitssymptomen sollen die Gläubigen aus Nächstenliebe keine Kirchen aufsuchen.
Nicht alle orthodoxen Hierarchen folgen jedoch den Anordnungen der Kirchenleitung. Metropolit Mitrofan (Badanin) von Murmansk beispielsweise hat nicht vor, in seiner Gemeinde Einschränkungen einzuführen und führte am 14. und 15. März zwei gut besuchte Veranstaltungen anlässlich des „Tages des orthodoxen Buchs“ durch. Laut Metropolit Mitrofan ist eine Krankheit ein Heilmittel und verschwindet dann, wenn die ihr von Gott verliehene Funktion erfüllt ist.

www.noek.info, 19. März; www.patriarchia.ru, 11., 17. März; www.ahilla.ru, 16. März 2020 – R. Z.

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