Ukraine: Staat und Religionsgemeinschaften einigen sich auf Schutzmaßnahmen

Aufgrund der gelockerten Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus konnten die Pfingstfeiern in der Ukraine in Anwesenheit der Gläubigen stattfinden.

Seit dem 5. Juni dürfen wieder Gottesdienste in den Kirchen stattfinden, wenn pro Person fünf Quadratmeter Platz zur Verfügung stehen. Bei religiösen Feiern im Freien müssen die Gläubigen 1,5 Meter Abstand zueinander einhalten. Auch Über-60-jährige Personen dürfen wieder teilnehmen. Die Regelungen berücksichtigen die wichtigsten Vorschläge des Allukrainischen Rats der Kirchen und Religionsorganisationen, der u. a. die ursprüngliche Regelung einer Mindestfläche von 10 Quadratmetern pro Person in Gotteshäusern kritisiert hatte.

An den kirchlichen Pfingstfeierlichkeiten hätten rund 200 000 Gläubige teilgenommen, berichtete die Nationalpolizei der Ukraine. Dabei hätten die Geistlichen und die Gemeindemitglieder die Regeln zum Abstandhalten und für Versammlungen eingehalten, der Feiertag sei friedlich verlaufen. Der ukrainische Präsident Volodymyr Selenskyj rief trotzdem nochmals zur Befolgung der Regeln auf, da sie offenbar andernorts missachtet worden waren und die Zahl der Infizierten steige. Die Lockerungen dienten der Rettung der Wirtschaft, das Virus sei jedoch nicht verschwunden, betonte der Präsident in einer Coronavirus-Pressekonferenz. Noch „können wir uns keine Massenveranstaltungen zum Vergnügen erlauben“, sagte Selenskyj. Man wolle nicht wieder zu strengen Quarantäne­regeln zurückkehren müssen. Ein ähnlicher Aufruf kam Anfang Juni von Vitalij Klitschko, dem Bürgermeister von Kiew, nachdem es zu einem starken Anstieg von Covid-19-Infektionen im Frolovskij Himmelfahrts-Frauenkloster gekommen war. Daraufhin wurde das Kloster in einem Vorort von Kiew unter Quarantäne gestellt.

Aufgehoben wurde dagegen am 25. Mai die Quarantäne für das Kiewer Höhlenkloster. Das Kloster war am 13. April von den städtischen Behörden geschlossen worden, weil dort die Zahl der Coronavirus-Infektionen rasant gestiegen war. Während der Quarantäne war es von der Polizei bewacht worden, niemand wurde hinein- oder hinausgelassen. Das Kloster, das von der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK), die dem Moskauer Patriarchat untersteht, genutzt wird, wird dieser online streitig gemacht. Auf der Website des Präsidenten war im April eine Petition lanciert worden, die verlangt, der UOK das Höhlenkloster aufgrund der Missachtung von Quarantänemaßnahmen zu entziehen.

Georgij Kovalenko, der frühere Sprecher der UOK-Leitung, der sich der 2019 gegründeten Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) angeschlossen hat, hält die Initiative nicht für sinnvoll. In einem Interview gab er zu bedenken, dass dies nur zur Destabilisierung führe. Da es keine Forderungen von anderen Kirchen gebe, die das Höhlenkloster nutzen möchten, sei die Diskussion obsolet. Die Initianten der Petition fordern, das Kloster der OKU zu übergeben. Der ukrainische Präsident Volodymyr Selenskyj, an den die Petition gerichtet ist, erklärte, die Frage liege nicht in seiner Kompetenz. Das Kabinett sei für die Verwaltung von Objekten in Staatsbesitz zuständig. Die Petition hatte über 27 000 Unterschriften erhalten. Um vom Präsidenten geprüft zu werden, sind 25 000 Unterschriften nötig.

www.risu.org.ua, 23., 25., 26. Mai, 1. Juni; www.irf.in.ua, 3. Juni, www.pravda.com.ua, 8. Juni 2020 – N. Z.

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