Polen: Primas bittet Vatikan um Prüfung von Missbrauchsfällen

Nach einem neuen Dokumentarfilm über Kindesmissbrauch durch katholische Priester in Polen will Primas Erzbischof Wojciech Polak die Vorwürfe durch den Vatikan prüfen lassen.

In dem am 16. Mai auf YouTube veröffentlichten Film „Das Versteckspiel“ (mit deutschen Untertiteln) der Brüder Tomasz und Marek Sekielski wird der Bischof von Kalisz, Edward Janika, beschuldigt, nichts gegen einen Priester unternommen zu haben, der Kinder sexuell missbraucht habe.

Erzbischof Polak, Delegierter der Polnischen Bischofskonferenz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen, reagierte bereits am 17. Mai mit einer Videobotschaft auf den Film und kündigte an, die Vorwürfe durch den Vatikan prüfen zu lassen. Der Film zeige, dass die Normen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in der Kirche noch nicht überall eingehalten würden, das heißt, die Missbrauchsopfer und ihre Familien nicht angemessen behandelt und keine geeigneten Maßnahmen eingeleitet werden, die im Falle einer wahrscheinlichen Meldung über sexuellen Missbrauch angeordnet sind. Zudem betonte Polak, dass er die Zusammenarbeit zwischen der Staatsanwaltschaft und der Kirche begrüße, was eine mehrfache Befragung der Opfer vermeide und die kanonischen Verfahren effizienter mache.

Gleichzeitig dankte Polak den Missbrauchsopfern, die sich entschließen, über ihr Leid zu berichten und rief alle, die Kenntnis von solchen Fällen haben, auf, Bericht zu erstatten. Priester, Nonnen, Eltern und Erzieher sollten nicht aus falscher Sorge um die Reputation der Kirche zur Verschleierung von Sexualstraftaten beitragen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass skandalöse Fälle das Gute in der Kirche vernichten. Die große Mehrheit der Priester und Nonnen sind Menschen mit Berufungen, die ihre Pflichten gewissenhaft erfüllen. Für Menschen, die Minderjährige sexuell missbrauchen, ist unter Geistlichen kein Platz.“

Die Diözese Kalisz wies die im Film erhobenen Vorwürfe gegen den Ortsbischof zurück. Im Fall des Priesters Arkadiusz H. sei 2018 ein Strafverfahren und ein kanonisches Verfahren eingeleitet worden; er wurde von der Ausübung des Priesteramts suspendiert. Gewissen Darstellungen im Film wird widersprochen, die Eltern der Opfer seien 2016 aufgefordert worden, die Fälle schnellstmöglich der Staatsanwaltschaft zu melden. Die Diözese verfüge über eine vollständige Dokumentation über alle Fälle von 2012 bis 2020, die an die Glaubenskongregation weitergeleitet worden seien.

Bereits vor einem Jahr hatte der Film „Sag es bloß niemanden“ der Brüder Sekielski die polnische Gesellschaft aufgewühlt und die Maßnahmen der Kirche zur Verhinderung von sexuellem Missbrauch durch Geistliche intensiviert (s. RGOW 7–8/2019, S. 5 f.). Hierzu gehören insbesondere die Einrichtung der St. Joseph Stiftung und der Telefon-Helpline „Verwundete der Kirche“.

www.diecezja.kalisz.pl; www.prymaspolski.pl, 17. Mai 2020 – R. Z.

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