Russland: Fundamentalistischer Priester im Ural verliert sein Amt

Schema-Hegumen Sergij (Romanov) ist vom Eparchialgericht Jekaterinburg verurteilt worden und verliert seine Priesterwürde. Sergij hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil er zur Missachtung der Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Epidemie aufgerufen und gegen frühere Disziplinarmaßnahmen verstoßen hatte.

Die Leitung der Eparchie Jekaterinburg hatte ihm unter anderem verboten, zu predigen, sich öffentlich zu äußern und Gottesdienste zu leiten, außerdem hätte er ein zurückgezogenes Leben in einem Männerkloster führen sollen.

Mitte Juni hatte Sergij das Sredneural’sker Frauenkloster mithilfe von Kosaken besetzt. Dort feierte er gutbesuchte Gottesdienste, obwohl ihm das von der Leitung der Eparchie Jekaterinburg untersagt worden war. Zum Konflikt hatten kontroverse Äußerungen Sergijs zum Coronavirus geführt. In einem Video bezeichnete er die Coronavirus-Epidemie als „Mythos“ und rief zum Ungehorsam gegenüber der Kirchenleitung und den Behörden auf. Zudem verfluchte er „diejenigen, die während der Pandemie Kirchen schließen“, und warnte vor der Schaffung „elektronischer Lager Satans“. In einer anderen Videobotschaft rief er dazu auf, die Kirchen zu öffnen, und warnte vor Mikrochips, die der Bevölkerung implantiert würden, für die Mehrheit aber tödlich wären.

Das Eparchialgericht entschied nun, Sergij habe seinen Priestereid und seine Mönchsgelübde verletzt und verliere deshalb seine Priesterwürde. Der Entscheid muss nun noch von Patriarch Kirill bestätigt werden. Erzpriester Maksim Minjajlo, der Leiter der Informationsabteilung der Eparchie Jekaterinburg, wies darauf hin, dass eine Wiederherstellung der Priesterwürde nicht möglich sei. Zudem kündigte er an, das besetzte Kloster werde unter die Administration der Eparchie zurückkehren. Schema-Hegumen Sergij war lediglich zur ersten Verhandlung erschienen, bei der er ein vorbereitetes Statement vorlas und das Gericht daraufhin sofort verließ. Bestraft wird Sergij auch von einem weltlichen Gericht für das Verbreiten falscher Informationen. Ein Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer Buße von 90 000 Rubeln (1 120 Euro), weil er in den Medien falsche Angaben verbreitet habe.

Sergij stellte sich auch gegen die inzwischen in einem Referendum angenommenen Verfassungsänderungen und rief zum Boykott der Abstimmung auf. Die Änderungen würden ein „Sklavenhaltersystem“ legalisieren und die „Macht des künftigen Antichristen und seiner Sklaven legalisieren“. Diese Aufrufe bezeichnete Vachtang Kipschidze, stellv. Leiter der Synodalabteilung für die Zusammenarbeit der Kirche mit der Gesellschaft und den Medien, als „tragikomisch“.

Schema-Hegumen Sergij gilt als einflussreicher, äußerst konservativer spiritueller Vater mit zahlreichen Anhängern und einer großen Medienpräsenz, ist aber auch sehr umstritten. So behauptete er, Russland werde von einem Doppelgänger des russischen Präsidenten Vladimir Putin regiert, der ein „falscher Messias“ und „Antichrist“ sei. Auch antisemitische Äußerungen gehören zu seinem Repertoire. Angeblich ist er auch der Anführer einer Sekte, die den letzten russischen Zaren Nikolaj II. verehrt und eine Rückkehr zur Monarchie befürwortet. Bevor er Mönch wurde, verbrachte Sergij über zehn Jahre im Gefängnis, wo er zum Glauben fand.

www.meduza.io, 18. Juni; www.rferl.org, 18. Juni, 3. Juli; www.interfax-religion.ru, 29. Juni, 3., 7. Juli 2020 – N. Z.

 

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