Belarus: Neuer Exarch zum Metropoliten erhoben

Der russische Patriarch Kirill hat am 6. September den neuen Exarchen für Belarus, Veniamin (Tupeko), zum Metropoliten erhoben

(s. RGOW 9/2020, S. 3–4). Am Gottesdienst für das neue Oberhaupt der Belarussischen Orthodoxen Kirche (BOK) in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau nahmen zahlreiche Geistliche aus Russland und Belarus teil. In seiner Rede hob Kirill hervor, dass Veniamin vom Hl. Synod der Russischen Orthodoxen Kirche (ROK), der die BOK untersteht, einstimmig zum Exarchen gewählt worden sei. Das sei ein Beweis für das große Vertrauen in ihn, das auf Veniamins „Leben, Bemühungen und Position zu aktuellen kirchlichen Problemen“ begründet sei.

Nach dem Gottesdienst traf Patriarch Kirill mit den belarussischen Bischöfen zusammen. Dabei verwies er auf die Nationalität Veniamins als Faktor für seine Wahl. Eigentlich sei Nationalität bei einem kirchlichen Oberhaupt unwichtig, doch sie spiele zurzeit in Belarus eine „immer größere Rolle“. Daher sei der Hl. Synod der ROK zum Schluss gekommen, dass „der belarussischen Kirche heute ein Mensch vorstehen muss, der in Belarus geboren ist, die belarussische Sprache spricht und in einem belarussischen Umfeld erzogen wurde“. So würden sogar diejenigen, die in der Kirche etwas dem Land und seiner Kultur Fremdes sehen, deren Oberhaupt als Teil ihres Volkes erkennen.

Kirill erklärte zudem, in Belarus gebe es nicht „die gefährlichen Prozesse, die zur schrecklichen Spaltung in der Ukraine geführt haben“. Es sei sehr wichtig, dass nichts Vergleichbares in Belarus passiere. Deshalb rief er die Bischöfe auf, Metropolit Veniamin zu unterstützen und zusammenzuhalten. Dabei spiele die Offenheit gegenüber den Menschen eine wichtige Rolle, vor allem die Jugend müsse erreicht werden.

Metropolit Veniamin erklärte, die heutige Zeit sei „günstig“, denn bisher seien die Menschen mit dem „alltäglichen Gehetze und der Suche nach weltlichen Gütern“ beschäftigt gewesen. Sie hätten danach gestrebt, sich „ein glückliches Leben und eine gute Erholung“ einzurichten, über die Zukunft hätten sie kaum nachgedacht. Aber die Coronavirus-Pandemie und die politischen Auseinandersetzungen in Belarus würden die Leute dazu bewegen, „nachzudenken und nach dem Reich Gottes zu suchen“.

In einem Interview mit dem staatlichen russischen Auslandssender RT äußerte Veniamin sich zu den Diskussionen über eine Autokephalie für die BOK. Seiner Meinung nach beschäftigt die Frage vor allem säkulare Menschen, die nicht Teil der Kirche sind. „Dieses Thema wird uns von außen aufgedrängt, im Inneren gibt es keinen solchen Bedarf“, so Veniamin. Zwar nähmen nationalistische Gefühle in Belarus eher zu, aber für die Kirche sei das nicht entscheidend. Viel wichtiger sei die Befolgung der Lehren der Orthodoxen Kirche. Mit Blick auf die politischen Auseinandersetzungen betonte der Metropolit, dass die Position der Kirche „neutral sein und der Versöhnung der Seiten dienen“ solle. Er warb für eine Wiedergutmachung von Fehlern, die in der Krise begangen worden seien, ohne diese allerdings beim Namen zu nennen.

www.mospat.ru, 6. September;
www.russian.rt.com, 13. September 2020 – N. Z.

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