Belarus: Erzbischof Kondrusiewicz geht in den Ruhestand

Papst Franziskus hat das altersbedingte Rücktrittsgesuch von Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk angenommen.

Am 3. Januar, dem 75. Geburtstag des Erzbischofs, teilte das Pressebüro des Vatikans die Entscheidung mit, zugleich ernannte der Papst Weihbischof Kazimierz Wielikosielec von Pinsk zum Administrator der Erzdiözese.

Kondrusiewicz leitete die Erzdiözese Minsk-Mahiljou seit 2007 und war Vorsitzender der Belarusischen Bischofskonferenz. Am Tag der Entscheidung informierte er die Gläubigen an einer Messe in Minsk. Kondrusiewicz r tröstete sie damit, dass die Erzdiözese nicht führungslos bleibe. Außerdem bat er die Anwesenden, den Administrator „mit offenem Herzen“ anzunehmen. Die Kirche müsse leben, die „Menschen wechseln, aber die Kirche bleibt“, sagte er weiter.

Erzbischof Kondrusiewicz hat mehrere Monate im polnischen Exil verbracht, nachdem ihm Ende August die Wiedereinreise nach Belarus verwehrt worden war. Die belarusischen Behörden gaben an, sein Pass sei ungültig. Als tatsächlicher Grund wurden jedoch Kondrusiewicz Aufrufe zu einem Ende der Gewalt und zum Dialog zwischen den Protestierenden und der Regierung vermutet. Mitte Dezember hatte Erzbischof Claudio Gugerotti als Sonderbeauftragter des Vatikans Alexander Lukaschenka getroffen, um mit dem Regime über die Rückkehr Kondrusiewiczs zu verhandeln. Am 22. Dezember teilte der belarusische Innenminister mit, die Frage werde gelöst werden. Am 24. Dezember konnte Kondrusiewicz schließlich nach Belarus zurückkehren. Lukaschenka verkündete kurz darauf, der Erzbischof stelle „keinerlei Gefahr dar“. Zuvor hatte er dem Erzbischof unterstellt, für „Konsultationen“ nach Polen gereist zu sein, um „das Land zu zerstören“.

In Belarus vermuten viele einen Deal zwischen Lukaschenka und dem Vatikan, der Rücktritt sei der Preis für die Heimkehr von Kondrusiewicz. Denn nicht selten verlängert der Papst die Amtszeiten von Bischöfen um ein paar Jahre, wenn sie aufgrund ihres Alters den Rücktritt anbieten, so auch im Fall von Weihbischof Wielikosielec. Dieser ist ein halbes Jahr älter als Kondrusiewicz und der älteste amtierende Bischof in Belarus. Bisher ließ Wielikosielec keine Kritik am Regime von Lukaschenka verlauten, ganz im Gegensatz zu Weihbischof Juryj Kasabutski von Minsk, der Kondrusiewicz während dessen Abwesenheit vertreten hatte. Von seiner Ernennung zeigte sich Wielikosielec auch selbst überrascht, das sei „ein großes Vertrauen in meine bescheidene Person“, erklärte er einem belarusischen Nachrichtenportal gegenüber. 

www.noek.info, 14. Januar 2021

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