Polen: Bischöfe gegen Impfstoffe auf Basis abgetriebener Föten

Die Bioethik-Expertengruppe der Polnischen Bischofskonferenz hat moralische Einwände gegenüber einer Impfung mit den Vakzinen AstraZeneca und Johnson&Johnson geäußert.

Sie begründete dies in einer Stellungnahme vom 14. April aufgrund der Verwendung von Zelllinien, die aus biologischem Material hergestellt worden seien, das von abgetriebenen Föten stamme. Der Impfstoff von Pfizer/BioNTech, der eine mRNA-basierte Technologie verwendet, stieß dagegen auf keine moralischen Bedenken der Expertengruppe. Laut dem Vorsitzenden der Bioethik-Gruppe, Bischof Józef Wróbel, bedurfte deshalb die bereits am 23. Dezember 2020 veröffentlichte ausführliche Stellungnahme, welche eine Impfung ausdrücklich empfahl, einer Ergänzung.

Katholiken sollten eine Impfung mit den Vakzinen von AstraZeneca und Johnson&Johnson nicht akzeptieren, weil es andere gebe, die keine gewissensbindenden moralischen Einwände hervorrufen. Gläubige jedoch, „die nicht die Möglichkeit haben, einen anderen Impfstoff zu wählen, und die durch bestimmte Bedingungen direkt verpflichtet sind (z. B. beruflich, Gehorsam innerhalb bestimmter Teams, Strukturen, Ämter, Dienste, für die diese Impfstoffe bestimmt sind), können sie ohne moralische Schuld in Anspruch nehmen“, betont die Stellungnahme. Das sei möglich, weil die Verbindung zwischen dem abgetriebenen Fötus und den Impfstoffen keine formale sei (was der Fall wäre, wenn die Abtreibung im Auftrag des Impfstoffherstellers durchgeführt worden wäre), sondern bloß eine materielle (keine absichtliche oder kausale Verbindung; der Impfstoff ist mit der Abtreibung nur durch das biologische Material verbunden, das von ihm stammt). Zudem betrachte man die Verwendung des Impfstoffs als echte Notwendigkeit oder Pflicht, um das Leben und die Gesundheit von sich selbst oder seinen Nachbarn zu schützen. Die mit den entsprechenden Vakzinen geimpften Personen müssten jedoch auf jede ihnen mögliche Weise ihren entschiedenen Widerstand gegen die Verwendung von biologischem Material unmoralischen Ursprungs bei der Herstellung des Impfstoffs zum Ausdruck bringen, damit sie nicht als stillschweigende Befürworter der Abtreibung angesehen werden (z. B. durch Schreiben von Einsprüchen an die Institutionen, die den Impfstoff importieren oder vertreiben, oder an ihre Vorgesetzten).

Grundsätzlich haben die polnischen Bischöfe und Geistlichen ihre Impfbereitschaft zum Ausdruck gebracht. So würdigte der polnische Primas Wojciech Polak die Impfung als Ausdruck der Sorge um die Schwächsten. In ähnlicher Weise sprachen sich Ende Dezember auch Kardinal Kazimierz Nycz, der Erzbischof von Warschau, und Weihbischof Jacek Grzybowski vom Bistum Warschau-Praga aus.

Am 23. Dezember 2020 hatte die Bioethik-Expertengruppe der Polnischen Bischofskonferenz die Impfung eindeutig empfohlen: „Die Erfindung von Impfstoffen kann – aus der Sicht der Präventivmedizin – als eine besondere Frucht der Gaben Gottes an den Menschen betrachtet werden, dem das Schicksal des Menschen und die mit Krankheiten, einschließlich Infektionskrankheiten, verbundenen Gefahren nicht gleichgültig sind.“ Das Dokument geht auch ausführlich auf Einwände gegen Impfungen ein, die unter Verwendung von Zelllinien abgetriebener Föten entwickelt wurden, und betont, dass „jeder Mensch, einschließlich der Katholiken“ auch solche Impfstoffe verwenden darf, „wenn keine anderen Impfstoffe zur Verfügung stehen, die keine solchen Einwände hervorrufen.“

Laut Bischof Wróbel ist die Stellungnahme vom Dezember nach wie vor aktuell und entspreche der theologischen und moralischen Lehre der katholischen Kirche. Die Position der Expertengruppe für Bioethik hinsichtlich AstraZeneca und Johnson&Johnson beziehe sich zudem nicht auf die möglichen Nebenwirkungen dieser Vakzine, weil es keine ausreichenden Studien zu diesem Thema und keine einheitliche Position von Fachleuten gebe.

www.episkopat.pl, 28. Dezember 2020, 14. April 2021 – R. Z.

 

 

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