Ukraine: Metropolit Onufrij trifft russische Kriegsgefangene

Bei einem Treffen mit russischen Kriegsgefangenen hat Metropolit Onufrij (Berezovskij) diesen gewünscht, dass sie in ihre Heimat und zu ihren Familien zurückkehren und ihre Nächsten wiedersehen können.

Das Oberhaupt der bis vor kurzem dem Moskauer Patriarchat unterstellten Ukrainischen Orthodoxen Kirche (UOK) empfing die kleine Gruppe im Kyjiwer Höhlenkloster zum Gebet, organisiert und gefilmt wurde das Treffen vom Journalisten Vladimir Zolkin.

In seiner kurzen Rede wünschte Metropolit Onufrij, dass die Gefangenen bei ihrer Rückkehr in der Heimat sagen würden, dass sie den Krieg in der Ukraine nicht wollten. Sie sollten sagen, dass sie nicht wollen, dass Städte und Dörfer zerstört werden und Menschen auf beiden Seiten sterben. Das „muss gestoppt werden, das kann gestoppt werden“, sagte Onufrij. Er betonte den Friedenswunsch der UOK, die alles getan habe, damit das „russische und ukrainische Volk in Frieden, Einklang und Liebe leben“. Doch es sei gekommen, wie es gekommen sei, aber auch wenn „das Böse passiert ist, muss es gestoppt werden“. Er hoffe, dass die Regierenden „Mut, Verstand und Weisheit“ hätten, um „das Wort der Liebe zu finden, mit dem jedes Böse aufgehalten wird“.

Der Metropolit wünschte den Kriegsgefangenen, dass Gott sie und alle auf dem Schlachtfeld schütze. Ein Krieg zwischen den Völkern, die aus dem „gemeinsamen Taufbecken“ gestiegen seien, sei eine „Schande“. Man müsse alles daran setzen, dass „dieser Wahnsinn aufhört“. Weiter erklärte Onufrij, dass Krieg kein Mittel zum Erreichen von Einheit zwischen Völkern, Familien und einzelnen Menschen sei. Im anschließenden Austausch mit den Kriegsgefangenen drückte er seine Hoffnung aus, dass ein Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine zustande kommt, damit die Menschen wieder ein normales Leben führen könnten. Er rief die Verantwortlichen dazu auf, eine solche humanitäre Mission zu realisieren.

Aus der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) kam zwar keine Kritik am Treffen an sich, aber an den Äußerungen Onufrijs. Erzbischof Evstratij (Zorja), der Sprecher des Hl. Synods der OKU, erklärte, die Aussage, „es ist so gekommen, wie es gekommen ist“, komme einer Rechtfertigung vor den Besatzern gleich, als würde Onufrij sich dafür entschuldigen, dass sie nicht mit Blumen empfangen worden seien. Zudem empörte er sich über den Wunsch Onufrijs, dass Gott die Gefangenen und alle auf dem Schlachtfeld schütze. Er habe das Leid, dass die Besatzer über die Ukraine gebracht hätten, nicht verurteilt, erklärte Evstratij. Er habe die russischen Kriegsgefangenen nicht aufgerufen, die Tötungen und Zerstörungen zu bereuen. Mit der Aussage zu den Völkern, die aus dem gemeinsamen Taufbecken gestiegen seien, habe Onurfij zudem das Narrativ Russlands vom „Bürgerkrieg“ übernommen. Onufrijs Rhetorik mache die beiden Seiten gleich, „als seien sie beide gleich schuldig oder gleich unschuldig“. (NÖK, 26.8.2022)

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