Armenien: Genozid-Gedenken im Schatten des Karabach-Konflikts

Am 24. April ist auf der ganzen Welt des Genozids an den Armeniern im Osmanischen Reich gedacht, worden, der am 24. April 1915 mit der Massenverhaftung armenischer Intellektueller und Aktivisten in Konstantinopel begann.

Seit dem Abend des 23. Aprils pilgerten Hunderttausende Menschen zum Genozid-Denkmal Zizernakaberd in Jerewan, um Blumen niederzulegen und der Opfer zu gedenken. Auch Katholikos Karekin II., das Oberhaupt der Armenischen Apostolischen Kirche, besuchte die Gedenkstätte in Begleitung einer Delegation der Bruderschaft von Etschmiadzin, dem Hauptheiligtum der Kirche.

Mit Blick auf den weiter andauernden Konflikt um Berg-Karabach (Arzach) warnte Karekin davor, dass Aserbaidschan das Gebiet übernehmen und von allem Armenischen befreien wolle. Er verurteilte „eine solche unmenschliche Tat, die regelmäßig gegen die Kinder unseres Volks in Arzach verübt wird“. Viele der Besucher beim Genozid-Monument trugen Schilder mit Aufrufen, die Blockade von Berg-Karabach zu beenden und Berg-Karabach international als armenisch anzuerkennen. Seit Monaten blockiert Aserbaidschan die einzige Verbindungsstraße zwischen Armenien und Berg-Karabach, wodurch sich die humanitäre Lage dort nochmals verschlimmert hat. Im September 2020 hatte Aserbaidschan einen großen Teil von Berg-Karabach erobert, seither kommt es immer wieder zu Gefechten, die auch armenisches Territorium betreffen.

In Etschmiadzin leitete Karekin die Hl. Liturgie im Kloster des Hl. Gayane zu Ehren der Märtyrer des Genozids an den Armeniern. In seiner Botschaft an die Gläubigen betonte er die „Wiederbelebung“ des armenischen Volks nach dem Genozid durch die Errichtung eines eigenen Staats, aber auch in der Diaspora. An diesem Tag seien Armenier im Land, in Arzach und in der Diaspora in ihren Kirchen vereint und beteten dafür, dass „wir mit Einheit und unbezwingbarem Willen allen Katastrophen und Bedrohungen trotzen, für den Sieg der armenischen Gerechtigkeit kämpfen und zur Verhinderung genozidaler Akte und Verbrechen im Leben unseres Volks und in der Welt beitragen.“

Der armenische Premierminister Nikol Paschinjan erwähnte die jüngsten Entwicklungen bei der Blockade von Berg-Karabach – die Einrichtung eines aserbaidschanischen Checkpoints am Latschin-Korridor – nicht explizit. Er betonte jedoch die wichtige Rolle eines „entwickelten und souveränen Staats“, um die Existenz und Sicherheit des armenischen Volks zu gewährleisten. Zudem sprach er sich für eine „Normalisierung und Entwicklung“ der regionalen Beziehungen angesichts „sich verschlimmernder Sicherheitsbedrohungen aufgrund regionaler und außerregionaler Gründe“ aus. Das armenische Außenministerium hingegen zog Parallelen zwischen dem Genozid vor 100 Jahren und den heutigen Ereignissen. Noch heute seien die Armenier in Berg-Karabach der Gefahr eines Genozids und ethnischer Säuberung ausgesetzt. (NZ)

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