Orthodoxe Geistliche veröffentlichen «Glaubensbekenntnis gegen den Ökumenismus»

Eine «Versammlung orthodoxer Kleriker und Mönche» hat im April ein «Glaubensbekenntnis gegen den Ökumenismus» verabschiedet, das mittlerweile aus dem Griechischen in mehrere andere Sprachen übersetzt worden ist und - vor allem via Internet - in der orthodoxen Welt Verbreitung findet.

In scharfer Form werden in dem «Glaubensbekenntnis » die ökumenische Bewegung und insbesondere die orthodoxe Beteiligung an ihr verurteilt.

Mit Berufung auf den serbischen Mönch und Theologieprofessor Justin Popovic (1894-1977), der Zeit seines Lebens ein scharfer Kritiker des ökumenischen Dialogs war, bezeichnen die Verfasser des Manifests den «Ökumenismus» als «gemeinsamen Namen für die Pseudo- Kirchen in Westeuropa; ihr gemeinsamer Name ist eigentlich ‹Pan-Häresie›. [...] Jene Pan-Häresie, die alle Häresien als ‹Kirchen› annimmt und legalisiert sowie das Dogma der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen Kirche beleidigt». Zu den ursprünglich 57 Erstunterzeichnern des «Bekenntnisses» gehören u. a. vier Metropoliten der Kirche von Griechenland: Metropolit Seraphim (Stergiulis) von Kythera, Metropolit Kosmas (Papachristos) von Aitolia und Akarnania, Metropolit Seraphim (Mentzelopoulos) von Piraieus sowie Metropolit Ieremias (Fountas) von Gortyna und Megalopolis. Dazu zählen ferner der Abt des Klosters Xiropotamou auf dem Heiligen Berg Athos, Archimandrit Ioseph, die emeritierten Professoren und Erzpriester Georgios Metallinos und Theodoros Zisis sowie der Abt des Klosters der Großen Meteora, Archimandrit Athanasios (Anastasiou).

Inzwischen (Stand: 30. Juni 2009) ist die Zahl der Unterzeichner - auch außerhalb Griechenlands - deutlich gewachsen: Die Vorsteher dreier weiterer Athos-Klöster sowie zahlreiche Mönche vom Heiligen Berg haben sich mit den Verfassern des Manifests solidarisiert, ebenso orthodoxe Geistliche aus Rumänien und den USA. Als erster nicht-griechischer Bischof hat der serbisch-orthodoxe Bischof Artemije (Radosavljevic) von Raška-Prizren - gefolgt von mehreren Klostervorstehern seiner Eparchie - das «Glaubensbekenntnis» unterzeichnet. Bischof Artemije hat auch eine Übersetzung des griechischen Manifests ins Serbische veranlasst, die auf der Homepage seiner Eparchie abgerufen werden kann - verbunden mit dem Aufruf, dass sich die gesamte Serbische Orthodoxe Kirche dem «Glaubensbekenntnis» anschließen möge.

Deutliche Kritik üben die Verfasser des «Glaubensbekenntnis» an orthodoxen Gläubigen, die sich in der Ökumene engagieren: «Die Pan-Häresie wurde von vielen orthodoxen Patriarchen, Erzbischöfen, Bischöfen, Klerikern, Mönchen und Laien angenommen. Sie lehren sie ganz offen und führen sie in die Praxis ein, indem sie in jeder möglichen Weise mit den Häretikern Gemeinschaft pflegen - durch gemeinsame Gebete, gegenseitige Besuche und pastorale Zusammenarbeit; dadurch stellen sie sich außerhalb der Kirche.» Solch eine Zusammenarbeit aber sei völlig falsch, denn «der einzige Weg, wie unsere Gemeinschaft mit den Häretikern wieder hergestellt werden kann, ist, dass sie ihrem Irrtum absagen und umkehren, damit wahre Einheit und Frieden sein können: eine Einheit in der Wahrheit und nicht in Irrtum und Häresie.»

Als «häretisch» sehen die Unterzeichner sowohl die katholische Kirche als auch die diversen protestantischen Kirchen an: «Der Papismus ist der Schoß aller Häresien und Irrtümer. [...] Der heutige Papismus ist noch weiter als der mittelalterliche Papismus von den Lehren der Kirchen abgewichen, so dass er nicht einmal länger in Kontinuität zu der alten Kirche des Westens steht. [...] Gleiches gilt in einem noch größeren Maße für den Protestantismus, der als Abkömmling des Papismus viele Häresien geerbt, aber noch viele mehr hinzugefügt hat.» Laut dem «Glaubensbekenntnis» habe die Orthodoxie bis zum Beginn des 20. Jh.s standhaft die wahre Lehre der Kirche verteidigt. Davon erstmals abgewichen sei die Enzyklika des Ökumenischen Patriarchats von 1920, «An die Kirchen Christi überall», in der «die Häresien offiziell als ‹Kirchen› bezeichnet wurden» - mit der Folge, dass «auch innerhalb der Orthodoxen Kirche der Weg offen ist für die Annahme und Entwicklung der ursprünglichen protestantischen Erfindung [...] der Häresie des Ökumenismus.» Angesichts dessen erklären die Unterzeichner des Manifests, dass sich all «jene, die sich in der ökumenistischen Verantwortungslosigkeit bewegen - welchen Rang sie auch immer in der kirchlichen Organisation innehaben -, gegen die Tradition unserer Heiligen stellen und im Gegensatz zu ihnen stehen. Das ist der Grund, weshalb ihre Einstellung von der Gesamtheit der Hierarchen und des gläubigen Volkes verdammt und zurückgewiesen werden muss.»

www.impantokratoros.gr, 22. Mai; www.eparhija-prizren.com, 22. Juni; Orthodoxie Aktuell Juni -Juli 2009 - S.K.

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