Russland: Moskauer historische Hauptmoschee abgerissen

Laut Obermufti Ravil Gajnutdin, dem Vorsitzenden des Mufti-Rats von Russlands, soll spätestens 2015 die Einweihung der neuen Moskauer Hauptmoschee stattfinden. Diese soll das Herzstück eines neuen islamischen Kulturzentrums werden und die alte Moskauer Hauptmoschee ersetzen, die am 9. September 2011 trotz zahlreicher Proteste abgerissen worden war.

Dieses im Volksmund «tatarische Moschee » genannte Gotteshaus am Rande des historischen Zentrums der russischen Hauptstadt war 1904 von einem tatarischen Kaufmann und Mäzen als zweite Moschee für die wachsende Zahl der Muslime in Moskau errichtet worden. Der schmucke grauweiße Bau war eines der beiden muslimischen Gotteshäuser in Moskau, das die Religionsverfolgungen überdauerte. Während der kommunistischen Zeit diente es ununterbrochen als einziges islamisches Gotteshaus für den ganzen europäischen Teil Russlands. Um dem Olympiastadion für die Moskauer Sommerspiele von 1980 Platz zu machen, drohte der Moschee der Abriss, der jedoch durch die Einsprache islamischer Geistlicher und der Botschafter der arabischen Länder verhindert werden konnte. 2005 begannen umfassende Restaurierungsarbeiten, im Juli 2008 wurde die Moschee aufgrund ihrer architektonischen und historischen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt. Im Dezember 2008 richtete die Geistliche Leitung der Muslime des Europäischen Teils Russlands unter der Leitung von Ravil Gajnutdin einen Antrag an den damaligen Moskauer Oberbürgermeister Jurij Luschkov, die Moschee aus der Liste der schützenswerten Gebäude zu streichen, um einer neuen Moschee Platz zu machen. Ende Januar 2009 strich das Amt auf Erlass von Luschkov die Moschee aus der Liste und gab sie im Mai 2009 zum Abriss frei.

Zahlreiche muslimische Organisationen wie der Verband islamischer religiöser Organisationen, das Allrussische Muftiat sowie Kunsthistoriker und Intellektuelle kritisierten den Abriss der Moschee. Der der Bürgerrechtsbewegung nahestehende Verein «Aufsicht über die Architektur» («Archnadsor») bezeichnete den Abriss in einem Offenen Brief als «beispiellose Barbarei und administrative Willkür». Er zeige einmal mehr, dass die Leitung des Amtes für Denkmalschutz nicht willens oder unfähig sei, «den zerstörerischen Absichten einflussreicher Kunden zu widerstehen, vor allem, wenn sie von den Machthabern unterstützt werden».

www.religio.ru, 12. September; www.rferl.org, 3. November 2011 – O.S.

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