Russland: Russische Baptisten verärgern ukrainische Glaubensgeschwister

Der Russische Bund der Evangeliums-Christen Baptisten (RBEChB) hat an seinem 34. Kongress am 30. Mai in St. Petersburg mit der Verabschiedung einer Resolution zur Ukraine und einem Aufruf an Präsident Putin für Verärgerung bei den ukrainischen Glaubensgeschwistern gesorgt.

In der Resolution heißt es: „Die Kirchen des RBEChB beten unablässig um Frieden für die Ukraine und um Weisheit für alle, von denen ein rasches Ende des gesellschaftlichen Konflikts abhängt. Wir verkünden unsere Treue zur biblischen Lehre, die den gewaltsamen Sturz einer legitimen Staatsmacht und den Nationalismus ablehnt und eine Lösung sozial-politischer Differenzen nur durch politische Verhandlungen erlaubt. […] Angesichts des gesellschaftlichen Unfriedens appellieren wir an alle Christen in der Ukraine, dem Gebot des Herrn Folge zu leisten: ‚Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen‘ (Lk 6,31).“

An den russischen Präsidenten Vladimir Putin richteten die Baptisten den Appell: „Wir Delegierte des 34. Kongresses des RBEChB wissen um die schwere Bürde der Verantwortung, die Sie […] tragen und erheben unser Gebet für Sie und alle Vertreter der Staatsgewalt. Unser besonderer Dank gilt Ihnen, weil Sie den Schutz und die Stärkung der geistig-sittlichen Werte, zu denen die traditionelle Familie zählt, zu einer Ihrer prioritären Aufgaben erklärt haben. […]“

Ukrainische Baptisten erklärten demgegenüber, der RBEChB habe seinen ukrainischen Brüdern und Schwestern offensichtlich abgeschworen: Dem RBEChB sei die Treue zu Putin wichtiger als die zu seinen Glaubensgeschwistern. Er werfe den Ukrainern den „gewaltsamen Sturz der legitimen Staatsmacht“ und „Nationalismus“ vor und wiederhole damit die russische staatliche Propaganda. Es sei bezeichnend, dass die Erklärungen erst nach der Abreise des ukrainischen Vertreters, Ihor Bandura, verabschiedet worden seien. Zudem sei der Appell an Putin an Zynismus und mangelhaftem theologischem Wissen kaum zu überbieten: Putin, der seine Frau verlassen habe, werde als Bewahrer traditioneller Werte bezeichnet und trotz seiner Kriegstreiberei als Friedensstifter dargestellt. Der RBEChB stehe damit ganz in der Tradition der Evangeliums-Christen Baptisten zu sowjetischer Zeit: Wie diese sage er sich aus Loyalität zur Staatsgewalt vom Glauben und den Glaubensgeschwistern los.

www.portal-credo.ru, 5. Juni; William Yoder, 80 Obzor, 1. Juli 2014 – O. S.

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