Theologische Akademie in Sárospatak

Die Reformierte Theologische Hochschule in Sárospatak im Nordosten Ungarns ist eine staatlich akkreditierte Ausbildungsstätte, die verschiedene Ausbildungen zu kirchlichen Berufen anbietet. Ein Schwerpunkt liegt auf der Pfarrerausbildung, doch gibt es auch eigene Bachelor-studiengänge für Religionspädagogen und Gemeindehelfer. Da ein Grossteil der Studierenden aus der Karpato-Ukraine stammt, werden diese beiden Studiengänge auch grenzübergreifend an der Pädagogischen Hochschule im ukrainischen Beregove (Beregszász) unterrichtet. Zudem bietet die Theologische Hochschule ein eigenes Bachelorprogramm für Verantwortliche in der Roma-Seelsorge an. Im Rahmen einer Volkshochschule bietet sie auch Weiterbildungskurse für Presbyter und einfache Gemeinde­mitglieder an. Zusammen mit der Universität in Miskolc bildet die Theologische Hochschule seit 2017 auch Sozialarbeiter aus, die sich den Problemen der Landbevölkerung widmen.

Projektziele
Weil nicht alle Eltern ihre Kinder während des Studiums finanziell unterstützen können, hat die Theologische Hochschule einen Stipendienfonds für mittellose Studierende eingerichtet. G2W unterstützt den Fonds, um insbesondere Studierenden aus der Karpato-Ukraine ein Studium in Sárospatak zu ermöglichen. Diese bekommen zwar vom ungarischen Staat die gleiche Unter-stützung wie ungarische Staatsbürger, doch sind ihre familiären Einkommen bedeutend tiefer, bzw. sind ihre Eltern oftmals arbeitslos. Der Fonds wird von einem Kuratorium (vier Dozenten der Akademie und drei Pfarrern aus dem Kirchendistrikt) geleitet, der über Stipendienanträge entscheidet. Ziel der Bildungsarbeit der Theologischen Hochschule ist es, das Gemeindeleben in der ab-gelegenen Region kompetent und vielseitig zu unterstützen. Die meisten Absolventen aus der Kar-pato-Ukraine arbeiten nach ihrem Studienabschluss wieder in ihrer Heimatkirche in der Ukraine.

Sozialer Hintergrund
Die strukturschwache Grenzregion um Sárospatak im Nordosten Ungarns ist in hohem Masse von Abwanderung betroffen. Die junge Generation verlässt die Dörfer, um in den grösseren Städten Arbeit zu finden. Gleichzeitig wächst die Zahl der Roma, die mit Diskriminierung, Arbeitslosigkeit und Verarmung zu kämpfen haben. Vor ähnlichen Problemen steht auch die Karpato-Ukraine, die unter den Folgen des Krieges in der Ostukraine zu leiden hat. Die massive Inflation der ukrainischen Währung zwingt viele Menschen dazu, im Ausland Arbeit zu suchen, um ihre Familien zu ernähren.

Projektbewertung
Von den Herausforderungen Landflucht, Überalterung der Bevölkerung und Integration der Roma ist auch die Reformierte Kirche in Ungarn und der Ukraine betroffen. Mit ihren vielseitigen Studienangeboten geht die Theologische Hochschule in Sárospatak auf die gegenwärtigen Probleme ein und leistet einen wichtigen Beitrag zum diakonischen und missionarischen Auftrag der Kirche. Davon zeugen auch das Interesse der Studierenden und die konstant hohen Studienzahlen.

„In der heutigen kirchlichen Lage wird es immer wichtiger, dass nicht allein der Pfarrer die Gemeinde ausmacht, sondern sich viele und gut geschulte Gemeindeglieder an dem Dienst des Evangeliums beteiligen."
Gyula Pásztor, Sekretär des Stipendienfonds

Projektinformation auf einen Blick: pdfFlyer

Projektberichte