Ein Studienjahr mit Höhen und Tiefen in Sárospatak

Gyula Pásztor

Das abgelaufene Studienjahr an der Reformierten Theologischen Hochschule im ungarischen Sárospatak fand größtenteils online statt. Eine besondere Herausforderung war, dass kaum Praktika stattfinden konnten. Für die Studierenden aus der Karpato-Ukraine, die das Institut G2W mittels Stipendien unterstützt, hatte das Online-Lernen allerdings auch Vorteile, wie Studierendenpfarrer Gyula Pásztor berichtet.

Vor einem Jahr, als die erste Welle der Pandemie abzuklingen schien, dachten viele, dass die Pandemie hinter uns liegt und ab September wieder alles wie gewohnt weiter geht. Es kam jedoch anders. Im August konnten die Studierenden noch ihre verschobenen Examensprüfungen ablegen und warteten auf die feierliche Diplomübergabe. Normalerweise ist diese nicht nur für die Gemeinschaft der Hochschule, sondern auch für die beteiligten Familien ein großes Fest. Das gilt besonders für die älteren Fernkursteilnehmer, mit denen oft auch die Ehepartner und Kinder mitfeiern. Einen großen Festgottesdienst zu organisieren war aber im September nicht mehr erlaubt. An der Jahreseröffnungsfeier zu Beginn des Schuljahres 2020/21, wo die Diplomübergabe letztendlich stattfand, durften nur noch die Absolventen mit jeweils einem Gast und die Dozierenden teilnehmen. Die anderen Studierenden mussten fernbleiben. Besonders schmerzhaft war, dass sich von den Teilnehmenden der Presbyter-Ausbildung nur ganz wenige trauten, an die Feier zu kommen. Zu deren Absolventen gehörten nämlich auch ältere Menschen, die zur Risikogruppe zählen. Im Rückblick war es dennoch schön, nach einem halben Jahr überhaupt gemeinsam feiern zu können. Damals wussten wir noch nicht, dass dies der einzige Festgottesdienst an der Hochschule im ganzen Jahr sein sollte.

Strenge Vorsichtsmaßnahmen
Das neue Studienjahr begann unter strengen Gesundheitsmaßnahmen, doch die Vollzeitstudierenden konnten persönlich anwesend sein. Für die Fernkursteilnehmer blieb es beim Online-Lernen. Im Oktober 2020 kam dann die zweite und im März 2021 die dritte Welle der Pandemie. Ab November musste die Hochschule daher wieder ganz auf Online-Unterricht umstellen. Die Zeit im Frühling 2020 erwies sich dabei als eine gute Vorbereitung auf das längere Online-Lernen in diesem Studienjahr. So gibt es Studierende im ersten Jahrgang, die von der Aufnahmeprüfung bis zu den Semesterprüfungen alles online geleistet haben. Sie haben die historischen Gebäude der Hochschule noch gar nicht von innen gesehen. Für die Fernkursteilnehmer brachte die neue Situation auch Vorteile. Denn in dieser Gruppe gibt es Studierende, die aus der Karpato-Ukraine und aus Kroatien kommen. Für sie ist es nun viel einfacher, die Unterrichtsstunden von zu Hause aus zu verfolgen, als monatlich hunderte von Kilometern zu fahren und zudem noch jeweils stundenlang an der Grenze warten zu müssen. Ich denke, dass die Hochschule – wo immer es möglich ist – für sie auch in Zukunft die Möglichkeit anbieten wird, an den Unterrichtsstunden online teilzunehmen. Inzwischen hat die Hochschule auch die nötige technische Ausrüstung angeschafft.
Es gibt aber auch viele Dinge, die wir vermisst haben: vor allem die persönlichen Begegnungen im Gottesdienst, in den Unterrichtsstunden und auf dem Flur, die unmittelbaren Gespräche. Den Studierenden fehlten die Wohngemeinschaften im Internat und das gemeinsame Lernen in der Bibliothek. Gegenüber dem vorigen Frühling war es im November eine große Erleichterung, dass in begründeten Fällen Studierende im Internat bleiben durften. Etwa ein Viertel von ihnen nahm dies in Anspruch. Es waren meistens Jugendliche aus der Karpato-Ukraine, die gerne in Ungarn blieben. Für sie waren die hiesigen Rahmenbedingungen günstiger und berechenbarer, insbesondere was eine stabile Internetverbindung und notfalls auch ärztliche Behandlung betrifft.

Corona-Hilfe für Studierende
Während der ersten Welle der Covid-19-Pandemie hat sich nur eine ältere Kursteilnehmerin infiziert. Sie hatte zwar eine schwere Lungenentzündung, hat sich aber langsam wieder erholt. Während der zweiten Welle erkrankten mehrere Studierende und Dozierende der Hochschule an Covid-19. Aus dem weiteren Kreis haben wir einen Mitarbeiter verloren, der verstorben ist. Außerdem geriet einer von unseren Studierenden in einen kritischen Zustand, befindet sich nun aber auf dem Weg der Besserung – ihn tragen wir im Gebet. Deshalb sind wir besonders dankbar, wenn wir uns so langsam als Dozierende und Studierende wieder persönlich und gesund begegnen können.
Wie bereits erwähnt, haben seit November die meisten unserer Studierenden von zu Hause aus gelernt. Viele von ihnen stammen aus der Karpato-Ukraine, für sie war die finanzielle Unterstützung von G2W in dieser Zeit besonders wichtig. Stellvertretend möchte ich drei Äußerungen von Studierenden anführen: „Ich studiere jetzt von zu Hause. Von der Unterstützung konnte ich meinen alten PC erneuern lassen und eine Webkamera kaufen.“ – „Mein Vater hat durch die Corona-Krise seine Stelle verloren. Ich selbst stehe unter ärztlicher Behandlung. Die Unterstützung hilft mir, die nötige Internetleistung zu bezahlen und Bücher zu kaufen.“ – „Ich wohne besonders weit weg. Die Unterstützung hat dazu beigetragen, meine Reisekosten und die nötigen PRC-Tests zu bezahlen.“

Kaum Praktika möglich
Während des Studienjahres war es sehr schwierig, Praktika in den jeweiligen zukünftigen Arbeitsfeldern der Studierenden zu organisieren. Die Theologiestudierenden müssen während ihres Praktikums morgens Andachten halten, bei denen die unmittelbare Ansprache ein wichtiger Bestandteil ist. Das lässt sich online nicht so leisten wie in einer präsentischen Begegnung. Zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten gehen die Studierenden normalerweise als Legaten (Delegierte) in verschiedene Gemeinden, um dort die frohe Botschaft zu verkündigen. Das ist eine unersetzbare Möglichkeit, um die Praxis des Gemeindedienstes einzuüben und Erfahrungen zu sammeln. Im Jahr 2020 war keine solche Legation möglich, weder zu Ostern noch zu Pfingsten oder zu Weihnachten. Auch die regelmäßigen Gemeindebesuche fielen erzwungenermaßen aus. Mit den Gemeinden konnte die Theologische Akademie nur brieflich Kontakt halten.
Die Schulen und die diakonischen Einrichtungen (Altenheime, Heime für Behinderte), in denen die Studierenden der Religionspädagogik und Diakonie ihr Praktikum leisten, waren für Außenstehende hermetisch abgeriegelt bzw. geschlossen. Für diese Studierenden standen nur Hilfsorganisationen offen. Seit einigen Wochen dürfen nun aber auch wieder Grundschulen Praktikanten von außen empfangen. So können viele Studierende die versäumten Praktika allmählich nachholen.

Beliebte diakonische Ausbildung
Alle fünf bis sieben Jahre führt der staatliche Akkreditierungsausschuss im Hochschulwesen eine größere Überprüfung der Hochschulen durch. Das war an unserer Hochschule 2020 der Fall. Die Überprüfung hat ein sehr gutes Ergebnis ergeben, wofür wir dankbar sind.
Neue Kurse hat unsere Hochschule im letzten Jahr verständlicherweise nicht angeboten. Die bislang laufenden Kurse versuchen wir nach den Erfahrungen so zu gestalten, dass sie ihr Ziel erfüllen. Erfreulicherweise wird die diakonische Ausbildung immer beliebter. Da dieses Diplom nun auch im staatlichen Sozialwesen anerkannt ist, kommen immer mehrere Interessenten aus dem Bereich des Sozialwesens an unsere Hochschule. Das sehen wir als eine missionarische Möglichkeit und eine Herausforderung zugleich an. Den Kurs für Presbyter mussten wir in diesem Studienjahr ausfallen lassen, denn wir hätten ihn nicht als Online-Kurs durchführen können. Wir hoffen aber auf eine Fortsetzung des Kurses ab September 2021.
Was die äußeren Bedingungen angeht, so ist zu berichten, dass die Rekonstruktion des Schulgartens zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen ist. Im Herbst haben wir zudem im Hauptgebäude eine neue Kapelle mit schönen neuen Bänken und einer kleinen Orgel eingerichtet. Die Hochschulgemeinde freut sich schon sehr darauf, die Kapelle endlich mit persönlicher Anwesenheit in Anspruch nehmen zu können. Ein größeres, noch anstehendes Projekt ist die Wärmeisolierung: Die alten Fenster sollen während der Sommerferien gegen moderne Isolierfenster ausgetauscht werden. Dazu hat die Hochschule staatliche Unterstützung beantragt und erhalten. Ein anderes, seit längerem bestehendes Problem ist, dass das alte Hauptgebäude keinen Lift hat. Ein Lift wäre nicht nur für gehbehinderte, sondern auch für ältere Menschen eine Erleichterung, um barrierefrei in die oberen Stockwerke des Gebäudes gelangen zu können. Aufgrund der historischen Bausubstanz ist es aber nicht so einfach, größere moderne technische Einrichtungen adäquat einzubauen. Das Lift-Problem soll daher jetzt von außen gelöst werden.

Sie können die Studierenden an der Theologischen Hochschule in Sárospatak mit einer Spende auf das Konto des Instituts G2W (IBAN CH22 0900 0000 8001 51780) mit dem Vermerk „Sárospatak“ unterstützen.

pdfRGOW 7-8/2021, S. 46–47.