RGOW 6-7/2015: Kaukasus

rgow cover 2015 6 7In diesem Heft richten wir unseren Blick auf die Kaukasusregion. Es enthält einen Überblick über die geopolitische Lage Armeniens und sein vielschichtiges Verhältnis zu Russland sowie einen Hintergrundbericht zu den armenischen Gedenkfeiern zum 100. Jahrestag des Genozids. Von weiteren menschlichen Tragödien im Kaukasus handelt ein Beitrag zur Geschichte Tschetscheniens im 20. Jahrhundert. Außerdem erwarten Sie ein aktueller Lagebericht aus Südossetien sowie ein Beitrag über die Schwierigkeiten der Georgischen Orthodoxen Kirchemit den Anforderungen einer pluralistischen Gesellschaft.

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Sergey Minasyan: Armeniens Verhältnis zu Russland angesichts der Ukraine-Krise

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KAUKASUS

Sergey Minasyan: Armeniens Verhältnis zu Russland angesichts der Ukraine-Krise
Auf russischen Druck hat Armenien im Herbst 2013 die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der EU sistiert und ist stattdessen im Januar 2015 der Eurasischen Zollunion beigetreten. Armenien ist für die Sicherheitspolitik Russlands im Südkaukasus von zentraler Bedeutung, umgekehrt ist das Land auf die Unterstützung Russlands im Karabach-Konflikt angewiesen. Seitens der EU hofft die armenische Regierung auf entsprechende Flexibilität.

Thomas Schmutz: Armenien und das Gedenken an den Völkermord von 1915
Vor 100 Jahren begannen im Frühjahr 1915 die Vertreibung und die Vernichtung der Armenier im Osmanischen Reich. Etwa 1,5 Millionen Armenier fielen dem Völkermord zum Opfer. In Armenien und weltweit wurde am 24. April an die Opfer des Genozids erinnert. Während die Ereignisse vor 100 Jahren international als Völkermord anerkannt werden, verfolgt die offizielle Türkei bis heute eine Leugnungspolitik. Als Reaktion auf die internationalen Gedenkfeierlichkeiten in Jerewan gedachte die Türkei des Sieges der osmanischen Truppen über die Entente-Mächte in der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg.

Jeronim Perović: Vertreibung, Trauma und Krieg: Die tschetschenische Tragödie
Nach den beiden blutigen Tschetschenienkriegen regiert Ramzan Kadyrov die nordkaukasische Republik mit eiserner Hand. Die Kriege der 1990er und 2000er Jahre lassen sich zwar einerseits in eine längere Konfliktgeschichte von bewaffnetem Widerstand und Vertreibung einordnen, übertrieben wäre es jedoch, diese als russisch-tschetschenischen Dauerkonflikt seit 400 Jahren zu mythologisieren. Statt einer politischen motivierten Auslegung der Geschichte ist vielmehr eine Aufarbeitung der konfliktträchtigen Vergangenheit vonnöten.

Sophie Zviadadze: Die Georgische Orthodoxe Kirche und die Herausforderungen der Moderne
Die Georgische Orthodoxe Kirche genießt ein hohes öffentliches Ansehen im Land, und zur Stärkung der eigenen Legitimität bemühen sich die politischen Eliten um eine enge Zusammenarbeit mit der Kirche. Mit Hilfe des Staates versucht die Kirche ihrerseits, ihre Wertvorstellungen in der Gesellschaft umzusetzen. Trotz des engen Staat-Kirche-Verhältnisses hat es in den letzten Jahren jedoch auch eine Reihe von Konflikten zwischen den beiden Institutionen gegeben, so hat der Staat gegen den Willen der Kirche ein Antidiskriminierungsgesetz verabschiedet.

Cécile Druey: Südossetien: Konfliktherd oder Bindeglied?
Der seit 1991/92 schwelende Konflikt um Südossetien wurde im „Fünftagekrieg“ zwischen Georgien und Russland 2008 neu entfacht. Südossetien wird seither von Russland als unabhängiger Staat anerkannt, international ist es dagegen isoliert. In dieser Situation greifen Korruption und Perspektivlosigkeit um sich. Teile der Eliten und der Zivilgesellschaft bemühen sich um Auswege aus der Abhängigkeit von Russland wie auch aus der internationalen Isolation.

ORTHODOXE DIASPORA

Olga Stieger: Das Pariser Erzbistum in der Krise
Das „Erzbistum russisch-orthodoxer Kirchen in Westeuropa – Exarchat des Patriarchats Konstantinopel“ wird von internen Auseinandersetzungen erschüttert. Auslöser für die Konflikte waren umstrittene Personalentscheide von Erzbischof Job (Getcha). Kritiker werfen ihm vor, mit seinen Entscheidungen das Statut des Exarchats verletzt zu haben. Der Erzbischof wiederum wirft seinen Kritikern „sektiererische Methoden“ vor.

ORIENTALISCHE KIRCHE

Wolfgang Schwaigert: Die Syro-Malankarische Katholische Kirche
Die Syro-Malankarische Katholische Kirche ist eine mit Rom unierte Ostkirche. Historisch ist sie in der Tradition der indischen Thomaschristen verwurzelt. Die Kirche ist eine wachsende Kirche, so gibt es mittlerweile auch Gemeinden im Mittleren Osten, in Europa und Nordamerika. Die Nähe zum indischen Erbe zeigt sich vor allem bei der Askese und dem Ordensleben. Den Gottesdienst feiert die Kirche in der westsyrischen Jakobusliturgie in der Volksprache Malayalam.

PROJEKTBERICHT

Regula Spalinger im Gespräch mit Ella Poljakova und ihren Mitarbeitenden: „Wir müssen klar Stellung beziehen und die Menschenrechte schützen“
Die „Soldatenmütter von St. Petersburg“ stehen aufgrund ihrer Menschenrechtsarbeit momentan unter enormem politischen Druck. Mit der Leiterin der NGO, Ella Poljakova, der stellv. Geschäftsführerin Olga Alekseeva, der Projektkoordinatorin Oxana Paramonova sowie den beiden Juristen, Alexander Gorbatschov und Anton Scherbak, hat Regula Spalinger, die Projektverantwortliche von G2W, über den Eintrag der Organisation in das sog. „Agentenregister“, die Beteiligung russischer Soldaten am Krieg in der Ostukraine und die aktuellen Programme der „Soldatenmütter“ gesprochen.

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