RGOW 2/2017: Islam in Zentralasien und Südosteuropa

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In Zentralasien und Südosteuropa spielt der Islam auch zunehmend in der Politik eine Rolle. In Zentralasien propagieren die Regierungen eine staatlich kontrollierte Form der Religion und underdrücken systematisch alle davon abweichenden Formen. Den zentralasiatischen Regimen dient so die immer wieder beschworene Gefahr des islamistischen Extremismus als Mittel zur Selbstlegitimation und zur Ablenkung von eigenem Versagen. Aber der Islam kann auch als außenpolitisches Instrument zur Vergrößerung des Einflusses in anderen Regionen dienen, beispielsweise in der türkischen Außenpolitik. Neben der Religionszugehörigkeit verweist die Türkei in Zentralasien auf ihre Verwandtschaft zu den Turkvölkern, während sie in Südosteuropa die gemeinsame osmanische Geschichte beschwört. Allerdings drückt sich dies nicht unbedingt in engen wirtschaftlichen Beziehungen aus, sondern in der Präsenz der Türkei im Kultur- und Bildungsbereich.

 

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Leseprobe:
Xhabir Hamiti: Islam in Kosovo. Aktuelle Lage und Zukunft

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IM FOKUS

Regula Zwahlen: Jahresendbericht von Patriarch Kirill

ISLAM

Mariya Y. Omelicheva: Die Instrumentalisierung des Islam in Zentralasien
Der staatlich anerkannte „traditionelle“ oder „offizielle“ Islam in Zentralasien dient einerseits der Stärkung nationaler Identität und andererseits der Legitimation der lokalen autoritären Regimes. Strukturelle und politische Missstände werden mit Verweis auf die „islamistische Gefahr“ erklärt. Die staatlichen Repressionen gegenüber dem „inoffiziellen“ Islam könnten allerdings kontraproduktiv wirken.

Alisher Khamidov: Islam in Kirgistan seit 1991
Kirgistans religiöser Liberalismus der frühen 1990er Jahre ist seit den politischen Unruhen 2010 einem eher repressiven Kontrollsystem gewichen. Eine islamistische Radikalisierung ist vor allem unter ethnischen Minderheiten wie den Usbeken in Südkirgistan zu beobachten, was u. a. auf deren politische Ausgrenzung zurückzuführen ist. Eine neue staatliche Religionsstrategie soll dem Radikalisierungstrend entgegen treten.

Ahmet Erdi Öztürk: Türkische religiöse Akteure in Südosteuropa und Zentralasien
Unter der AKP-Regierung hat die Türkei versucht, ihren Einfluss in Südosteuropa und Zentralasien durch die Betonung historischer, religiöser und verwandtschaftlicher Gemeinsamkeiten zu vergrößern. Ein maßgeblicher Akteur ist dabei das Diyanet, das türkische Präsidium für Religionsangelegenheiten. Die Unterstützung durch das Diyanet wird einerseits dankbar aufgenommen, andererseits regt sich unter den südosteuropäischen und zentralasiatischen Muslimen Widerstand gegen eine zu starke Einmischung der türkischen religiösen Akteure.

Dino Mujadžević: Die Rolle der Türkei in Bosnien-Herzegowina
Das Erbe des Osmanischen Reichs ist in Bosnien-Herzegowina und auf dem ganzen Balkan noch immer sichtbar und spielt besonders in den muslimischen Gesellschaften bis heute eine Rolle. Seit der Machtübernahme der AKP nutzt die Türkei vermehrt Bezüge zum Osmanischen Reich, um ihren außenpolitischen Einfluss zu verstärken. In Bosnien-Herzegowina geschieht dies jedoch weniger mit wirtschaftlichen Mitteln oder durch Entwicklungshilfe, sondern vielmehr im Kultur- und insbesondere Bildungsbereich. Gerade dort wird aber auch der Bruch zwischen der Gülen-Bewegung, die mehrere private Schulen betreibt, und der AKP-Regierung spürbar.

Sandra King-Savić: Gespaltene islamische Gemeinschaft im Sandžak
In Serbien gibt es heute zwei konkurrierende islamische Gemeinschaften. Besonders dramatisch ist die Situation im südserbischen Sandžak, wo die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung lebt. Religiöse und politische Anführer betreiben eine Vermischung von Religion und Politik, um sich Unterstützung zu sichern. Dabei wünscht sich ein Großteil der Bevölkerung vor allem ökonomische Fortschritte in der vernachlässigten Region.

Xhabir Hamiti: Islam in Kosovo: Aktuelle Lage und Zukunft
Der Islam in Kosovo geht auf die Zeit des Osmanischen Reichs zurück, seine Auslegung ist traditionell gemäßigt und tolerant. Obwohl in den letzten 20 Jahren vermehrt extremistische Propaganda ins Land gedrungen ist, haben sich nur vereinzelt Gläubige radikalen Formen des Islam zugewandt.

SÜDOSTEUROPA

Albert Doja: Religionspolitischer Alltag in Südosteuropa
Identitäts- und Religionspolitik sind in Südosteuropa eng miteinander verflochten. Historische Themen wie das Vermächtnis Konstantins des Großen, sein „Mailänder Edikt“, das Verhalten der katholischen Kirche während des Kommunismus und das Verhältnis der Orthodoxen Kirche von Albanien zu Griechenland prägen stark die öffentlichen Diskussionen. Diese Verflechtung von Identitäts- und Religionspolitik ist aber kein albanisches Spezifikum, sondern typisch für die ganze Region.

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