RGOW 3/2017: Zwischenbilanzen - Usbekistan, Polen, Ukraine

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In Osteuropa ist Vieles im Wandel - in der neuen Ausgabe ziehen wir deshalb (Zwischen-) Bilanz: Wie entwickelt sich die Situation in Usbekistan, nachdem der autoritäre Langzeitpräsident Islam Karimov gestorben ist? Wo steht die umstrittene Justizreform der PiS-Regierung, mehr als ein Jahr nach ihrer Machtübernahme in Polen? Zudem nehmen wir ein Jahr nach dem historischen Treffen zwischen Papst Franziskus und dem russischen Patriarchen Kirill die Situation in der Ukraine in den Blick, wo die Gemeinsame Erklärung der beiden Kirchenoberhäpter kritisch aufgenommen wurde.
Die litauische Stadt Kėdainiai war ein wichtiges Zentrum sowohl des jüdischen Lebens wie auch des Protestantismus in Litauen. Heute versucht die Stadt ihre multireligiöse Geschichte verstärkt sichtbar zu machen. Daneben informieren wir über das Kulturleben auf der Krim, das Lomisoba-Fest in Georgien, die armenische Musiktradition, den Umgang mit Ökumenegegnern in der Rumänischen Orthodoxen Kirche und orthodoxe Charismatiker in Russland.

 

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Leseprobe:

Justyna Zając: Justizreform in Polen

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IM FOKUS

Stefan Kube: Rückblick auf Havanna und Perspektiven des Dialogs

ZWISCHENBILANZEN

Ataman Burnash: Perestrojka à la Usbekistan?
Im September 2016 verstarb der autoritär herrschende usbekische Präsident Islam Karimov an einem Schlaganfall. Wider Erwarten findet unter seinem Nachfolger Shavkat Mirsijojev ein merklicher Wandel statt. Grundlegende strukturelle Probleme wie die Machtfülle des Nationalen Sicherheitsdienstes und eine fehlende lokale Autonomie bleiben jedoch bisher unangetastet.

Justyna Zając: Justizreform in Polen
Seit ihrem Regierungsantritt verfolgt die Partei Recht und Gerechtigkeit eine umfassende Justizreform. Als erstes hat sie die Funktionsweise des Verfassungsgerichts verändert, was national wie international auf scharfe Kritik gestoßen ist. Mit der Justizreform drohen eine Politisierung der Justiz und eine Aushebelung der Gewaltenteilung. Die Mehrheit der polnischen Gesellschaft nimmt daran jedoch keinen Anstoß, zwei Drittel der Bevölkerung stehen der PiS-Regierung positiv oder gleichgültig gegenüber.

Jürgen Buch: Das multireligiöse Erbe von Kėdainiai
Die litauische Stadt Kėdainiai blickt auf eine multireligiöse Vergangenheit zurück. Sie war ein wichtiger Ort in der Geschichte des litauischen Protestantismus sowie ein Zentrum des jüdischen Lebens im Großfürstentum Litauen. Heute bemüht sich die Stadt, dieses multireligiöse Erbe sichtbar zu machen.

Gerhard Simon: Die Ukraine und die vatikanische Ostpolitik
In der Gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kirill waren auch die politischen und kirchenpolitischen Verhältnisse der Ukraine ein Thema. Der Autor kritisiert, dass die vatikanische Ostpolitik dabei weitgehend der Moskauer Lesart der kirchlichen Situation und des Konflikts in der Ostukraine folgt. Eine klare Benennung des russischen Aggressors steht bis heute aus. Zeichen der Entspannung soll die Aktion „Der Papst für die Ukraine“ setzen, die Menschen hilft, die unter den Kriegsfolgen im Donbass leiden.

Tatjana Hofmann: Dem Kulturleben der Krim auf der Spur
Gemeinsam mit dem Kameramann Cyril Venzin hat die Zürcher Slavistin Tatjana Hofmann dem Kulturleben auf der Krim nachgespürt. Sie ist erneut mit den auskunftsfreudigen Teilnehmern des Bosporusforums, an dem sie vor zwei Jahren erstmals teilnahm, zusammengetroffen (s. RGOW 3/2016, S. 28–29). Dabei hat sie verschiedene Autoren und Kulturschaffende interviewt, die jeweils ihre eigene Sicht auf das Kulturleben der Krim von düster bis freundlich-distanziert haben.

Jürgen Henkel: Wen(n) zu viel Ökumene stört
In der Rumänischen Orthodoxen Kirche übt eine kleine, aber lautstarke Gruppe Kritik an der Kirchenleitung. Die Fundamentalisten verlangen eine Distanzierung der rumänischen Bischöfe vom Panorthodoxen Konzil von Kreta. Das Patriarchat hat die Kritik scharf zurückgewiesen und sich zu den Beschlüssen von Kreta bekannt.

Ansgar Jödicke, Andrea Friedli, Ketevan Khutsishvili: Das Lomisoba-Fest: Volksreligiosität und Kirche in Georgien
Das Lomisoba-Fest ist eines von vielen volksreligiösen Ritualen in georgischen Gebirgsregionen, das nicht nur Pilger, sondern auch vermehrt Touristen anzieht. Nach anfänglicher Ablehnung integriert die Georgische Orthodoxe Kirche heute solche weder eindeutig paganen noch eindeutig christlichen Praktiken, da sie als Marker georgisch-nationaler Identität auf vielseitiges Interesse stoßen.

Irene Suchy: Spiritualität und Patriotismus – der Klang des Glaubens
Musik ist ein tragendes Element der nationalen Identität der Armenier und Armenierinnen. Geistliche der Armenischen Apostolischen Kirche spielten eine wichtige Rolle bei der Formierung einer „Nationalmusik“. Manche von ihnen sind Überlebende des Genozids und bieten zusätzliches Identifikationspotenzial, indem sie das prägendste Ereignis der armenischen Geschichte miterlebt haben.

Roman Lunkin: Orthodoxe Charismatiker: Mit Mozart gegen Stalin
Die Orthodoxe Kirche der Regierenden Gottesmutter mit dem charismatischen Gründer Ioann Bereslavskij gehört zu den zahlreichen neuen religiösen Bewegungen, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden. Sie sieht sich in der antisowjetischen Tradition der Katakombenkirche und verbindet orthodoxe Spiritualität mit Elementen der europäischen Kultur.

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