RGOW 7-8/2020: Hafenstädte - Maritime Industrie- und Kulturzentren im östlichen Europa

rgow cover 2019 9Die Sommer-Doppelnummer ist maritimen Knotenpunkten und Kulturzentren im östlichen Europa gewidmet. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Hafenstädte an drei Meeren: Ostsee, Adria und Schwarzes Meer. Die Beiträge vereinen Zeitreisen in die Vergangenheit dieser Städte, die in ihrer Funktion als Handelszentren Impulsgeber für gesellschaftliche Innovationen waren und sind. Als Orte des Austausches sind sie auch von einer besonderen Multikulturalität geprägt. Zudem dienen manche Städte am Meer als Tourismuszentren der Erholung und dem Vergnügen, sie können aber auch als religiöse Zentren fungieren sowie zu Brennpunkten gesellschaftlicher Entwicklungen und Tendenzen der Urbanisierung werden. 

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IM FOKUS

Natalija Zenger: Kathedrale der russischen Streitkräfte eingeweiht

RUSSLAND

Antje Himmelreich: Mit Volkes Wille – Verfassungsreform in Russland bestätigt
Bei dem Verfassungsreferendum in Russland hat eine Mehrheit für die umstrittenen Verfassungsänderungen gestimmt. Die gravierendste ist die „Nullierung“ der bisherigen Amtszeiten des Präsidenten, so dass Vladimir Putin noch zwei weitere Amtszeiten bis 2036 regieren könnte. Problematisch ist das gewählte Vorgehen bei der Verfassungsreform, da es nicht in der geltenden Verfassung vorgesehen ist. Zudem gab es kaum unabhängige Wahlbeobachter.

HAFENSTÄDTE

Kai-Olaf Lang: Die Drei-Meere-Initiative – Kooperation und Geopolitik in Osteuropa
2015 haben sich zwölf Länder des östlichen Europas zwischen der Ostsee, der Adria und dem Schwarzen Meer zur Drei-Meere-Initiative zusammengeschlossen, um Kooperationen in den Bereichen Energie, Verkehr und digitale Kommunikation zu fördern. Angesichts der Corona-Krise könnten von der Initiative sowohl hemmende als auch fördernde Effekte für die Zusammenarbeit der Ländergruppe ausgehen. Durch die Aktivitäten der Großmächte Russland, den USA und China in der Region enthält das „Trimarium“ auch eine geopolitische und geoökonomische Dimension.

Inga Sarma: Jūrmala – Kurort an der „baltischen Riviera“
Der lettische Kurort Jūrmala erfindet sich trotz stürmischer Geschichte immer wieder neu. Während der deutsche und russische Adel bereits im 19. Jahrhundert die „baltische Riviera“ schätzten, genossen sie die Bürger der Sowjetunion als „sowjetischen Westen“. Eine Konstante ist abgesehen vom Reichtum natürlicher Ressourcen die Pflege einer internationalen Kulturszene, von der mehrere Konzerthallen zeugen.

Roman Czejarek: Szczecin – ein Stadtrundgang mit Überraschungen
In der zweitgrößten Hafenstadt Polens nimmt neben dem Schiffbau und der maritimen Industrie der Tourismus an Bedeutung zu. Zahlreiche innovative Projekte wie der Ausbau des Insel- und Kanalsystems für Segel- und Kajaktouristen, die Restauration historischer Gebäude, die Einrichtung moderner Museen sowie die neue Philharmonie versprechen unerwartete Einblicke in Geschichte und Gegenwart einer dynamischen Stadt.

Salvator Žitko: Die Rolle und das Bild Kopers durch die Jahrhunderte
Kopers Geschichte ist seit der Antike von der Funktion als Hafen und Handelsposten geprägt. Im Salzhandel in der nördlichen Adria nahm die Stadt zeitweise eine Vormachtstellung ein, konkurrierte jedoch immer mit den mächtigeren Nachbaren Venedig und Triest. Heute hat Koper den Übergang von einer jugoslawischen Industriestadt zu einem modernen slowenischen Dienstleistungs-, Bildungs- und Transportzentrum gemeistert.

Aleksandar Jakir: Brennpunkt Adria: Rijekas wechselvolle Geschichte im 20. Jahrhundert
Rijeka ist eine der beiden europäischen Kulturhauptstädte 2020. Aufgrund der Corona-Krise lässt sich aber nur ein Teil des ambitionierten Programms realisieren. Einen Schwerpunkt bildet das Thema „Migrationen“, das die Geschichte der Stadt im 20. Jahrhundert maßgeblich geprägt hat. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie mit ihren italienischen und südslawischen Bezügen zum Zankapfel zwischen Italien und Jugoslawien, was eine Gewaltspirale auslöste und letztlich mit der Vertreibung der Italienischsprachigen nach dem Zweiten Weltkrieg endete.

Giuliana B. Prato: Durrës: Postsozialistische Entwicklungen und urbane Fragen
Der wichtigste Hafen Albaniens ist ein zentraler Verkehrsknotenpunkt zwischen West- und Südosteuropa. Die postsozialistische Transformation hat zu unkontrollierten städtebaulichen Entwicklungen im Zentrum und informellen Siedlungen am Stadtrand geführt. Mit Hilfe verschiedener Gesetze und Projekte sollen die informellen Gebiete integriert und das Stadtzentrum aufgewertet werden.

Devin N. Naar: Thessaloniki – das „Jerusalem des Balkans“
Besucht man heute Thessaloniki, stößt man nur vereinzelt auf Zeugnisse der jüdischen Vergangenheit der Stadt, obwohl sie bis zum Ersten Weltkrieg eine mehrheitlich jüdische Bevölkerung hatte. In den Nachkriegsjahrzehnten tat sich Thessaloniki schwer mit der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, erst in jüngster Zeit wird die reiche jüdische Vergangenheit der Stadt wieder vermehrt thematisiert und an sie erinnert.

Shtelian D. Shterionov: Sozopol – ein orthodoxes Zentrum
Bereits im frühen Christentum war die bulgarische Küstenstadt Sozopol zusammen mit dem ihr vorgelagerten Inselkloster Ioannes-Prodromos ein wichtiges religiöses und kulturelles Zentrum der Orthodoxie, das im Laufe der Jahrhunderte zu überregionaler Bedeutung gelangte. Die Sozopoler Eparchie hat die Organisation und Leitung, die Bildung und das Schrifttum der Orthodoxen Kirche geprägt.

Constantin Ardeleanu: Constanţa zwischen Ost und West
Als die Dobrudscha mit Constanţa 1878 an Rumänien fiel, erschien das Gebiet der politischen Elite wenig attraktiv. Doch bald wurde Constanţa in den Masterplan des rumänischen Nation-Building eingebunden und wurde zu einem mondänen Küstenort. Fürst Carol I. ließ in der Stadt drei emblematische Gebäude errichten: die St. Peter und Paul-Kathedrale, ein Casino und die Carol I.-Moschee. Bis heute spielt der Hafen von Constanţa eine wichtige Rolle für die innereuropäische (Transport-)Verbindung zwischen Ost und West.

Roman Adrian Cybriwsky: Cherson: Wo die Steppe das Meer trifft
Gegründet im Zug der Expansion des Russischen Reichs nach Süden, entwickelte sich Cherson zu einer Industriestadt und einem regionalen Zentrum. Nach dem Ende der Sowjetunion erlebte die Stadt eine schwierige Transition. Die traditionelle Schiffbauindustrie erholt sich nur langsam, doch es entstehen neue Wirtschaftszweige und die Stadt modernisiert sich allmählich.

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