RGOW 6/2022: Ökumene wohin? Auf dem Weg zur Vollversammlung des ÖRK

rgow cover 2019 9Die Frage nach dem "Wohin?", den Zielen und Wegen der Ökumene ist so alt wie die ökumenische Bewegung selbst. Gegenwärtig ist viel von einer "Krise der Ökumene" die Rede, doch zumindest in Europa haben sich konfessionelle Differenzen deutlich abgeschwächt. Allerdings sind neue Spaltungen, auch innerhalb der einzelnen Kirchen, insbesondere bei sozialethischen Fragen, unübersehber.
Die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen in Karlsruhe wird Themen wie die Verlagerung des Christentums in den globalen Süden, inter- und intrakonfessionelle Polarisierungen und Fragen der Klimagerechtigkeit behandeln. Zudem sorgt der russische Angriffskrieg in der Ukraine bereits im Vorfeld der Vollversammlung für Unruhe. Die Russische Orthodoxe Kirche, die den Krieg rechtfertigt, will mit einer Delegation an der Vollversammlung teilnehmen, während Kritiker:innen deutliche Zeichen gegenüber der Kirchenleitung der ROK sowie eine angemessene Vertretung der ukrainischen Kirchen in Karlsruhe fordern.

 

Leseprobe:

Michael Biehl: Vom „Zusammenbleiben“ zum „Gemeinsam unterwegs sein“

Regula Spalinger im Gespräch mit Alexandra Adamenko und Irina Pavlova: „Wir können nur auf die Zukunft einwirken und sie gestalten, wenn wir eine Zukunft sehen“

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IM FOKUS

Natalija Zenger, Stefan Kube: Überraschende Entscheidung: Makedonische Kirche wird autokephal
Nach 55 Jahren ist das Schisma zwischen der Serbischen Orthodoxen Kirche und der Makedonischen Orthodoxen Kirche – Erzbistum Ohrid (MOK–EO) beendet, nachdem erstere die kirchliche Unabhängigkeit der MOK–EO anerkannt hat. Bereits zuvor hatte das Ökumenische Patriarchat wieder die Kirchengemeinschaft mit der MOK–EO aufgenommen. Zu klären gilt nun noch der Name der neuen autokephalen Kirche und das weitere Prozedere zur Verleihung der Autokephalie.

ÖKUMENE

Jennifer Wasmuth, Frank Zeeb: Neue ökumenische Unübersichtlichkeit als Herausforderung
Kennzeichnend für die gegenwärtige ökumenische Landschaft ist eine neue Vielschichtigkeit und Unübersichtlichkeit. Einerseits verschwinden konfessionelle Grenzziehungen, andererseits kommt es zu neuen Segmentierungen innerhalb der Konfessionen. Dazu tragen auch sozialethische Kontroversen bei. Die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen kann ein Forum sein, um diesen aktuellen Herausforderungen zu begegnen. Dazu zählen auch die innerorthodoxen Konflikte und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Hanne Lamparter: Der Ökumenische Rat der Kirchen und seine Geschichte
Nach dem Zweiten Weltkrieg bezeugte die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen das gemeinsame Engagement der christlichen Kirchen für Versöhnung und Frieden. Die Öffnung für Missionskirchen und die orthodoxen Kirchen führte in den 1960er Jahren zu einer geographischen und konfessionellen Diversifizierung. Heute steht der Rat vor gewaltigen sozialpolitischen, ökologischen, moralischen und sexualethischen Herausforderungen, die ein gemeinsames weltweites Engagement erfordern.

Michael Biehl: Vom „Zusammenbleiben“ zum „Gemeinsam unterwegs sein“
Seit Jahrzehnten verschiebt sich die geografische Verteilung der Mitglieder des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in den globalen Süden. So hat sich das „Gesicht“ des Christentums deutlich gewandelt. Dies hat weitreichende Folgen für die Arbeitsweise und thematischen Fragestellungen im ÖRK sowie für die europäischen Theologien, die sich ihrer Kontextgebundenheit bewusst werden müssen.

Georgios Vlantis: Binnenkonfessionelle Polarisierungen und ihre ökumenische Relevanz
Binnenkonfessionelle Differenzierungen und Polarisierungen wirken sich auch stark auf den ökumenischen Dialog aus. Der innerorthodoxe Konflikt zwischen den Patriarchaten Konstantinopel und Moskau stellt die Ökumene vor neue Herausforderungen. Die Reformdebatte der katholischen Kirche in Deutschland wirft Fragen auf, die alle Kirchen betreffen.

Astrid Hake, Monika Maria Schell: Ökumenisches Netzwerk und Engagement für mehr Klimagerechtigkeit
Die Kirchen in Deutschland haben den Klimawandel und damit einhergehende Fragen der sozialen Gerechtigkeit schon vor längerem als Thema erkannt. Aktuell engagieren sich kirchliche Institutionen vor allem im Ökumenischen Netzwerk Klimagerechtigkeit. Dessen Arbeit besteht aus politischen Kampagnen und Forderungen an die Politik, Informationsarbeit für seine Mitglieder und Interessierte sowie konkreten Projekte zum Klimaschutz auf lokaler und internationaler Ebene.

Bohdan Ohultschanskyj: Praktische Ökumene. Ukrainische Kirchen angesichts des Krieges
Der Krieg in der Ukraine hat zu neuen Formen der ökumenischen Zusammenarbeit geführt. Gläubige und Geistliche aus allen Kirchen engagieren sich gemeinsamen für Kriegsbetroffene. Besonders effizient agieren Gemeinden und Kirchen, die schon seit Jahren soziale Dienstleistungen aufgebaut haben. Innerhalb der Ukrainischen Orthodoxen Kirche spielen vor allem die Priester und nicht die Bischöfe eine aktive Rolle.

Piotr Kopiec: Nicht monolithisch katholisch: Die Gesichter der polnischen Ökumene
In Polen hat der ökumenische Schwung in den letzten Jahrzehnten eher nachgelassen, zudem erschweren vielfältige gesellschaftliche Entwicklungen die Ökumene. Andererseits erfordert die Migration, vor allem die Zuwanderung aus der Ukraine und Belarus, eine verstärkte interkonfessionelle Zusammenarbeit in praktischen Fragen, so bei gemischten Ehen oder beim Religionsunterricht.

PROJEKTBERICHT

Regula Spalinger im Gespräch mit Alexandra Adamenko und Irina Pavlova: „Wir können nur auf die Zukunft einwirken und sie gestalten, wenn wir eine Zukunft sehen“
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine erleben die „Soldatenmütter“ eine sprunghaft gestiegene Nachfrage nach alternativem Zivildienst. Zudem erhält die NGO zahlreiche Anfragen von Eltern, die auf der Suche nach ihren Söhnen sind oder deren Einsatz in der Ukraine verhindern wollen. Mit Hassanrufen haben die Soldatenmütter ihre eigene Umgangsstrategie entwickelt.

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