RGOW 9/2011: Polen

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

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Andrzej Kaluza: Die katholische Kirche in Polen am Scheideweg
Anlässlich der Seligsprechung von Johannes Paul II . am 1. Mai wurde noch einmal die große Bedeutung des Papstes für viele Polen deutlich. Doch wenige Jahre nach dem Tod des «polnischen Papstes» steht der polnische Katholizismus am Scheideweg: Angesichts der Modernisierung muss sich die Kirche neuen gesellschaftlichen Herausforderungen stellen. Dabei gilt es vor allem die Frage zu klären, ob sie auf ein Bündnis mit politisch konservativen Kräften setzen will oder ob ihr eine gesellschaftliche Öffnung gelingt.

Agata S. Nalborczyk: Muslime in Polen
Seit 1936 ist der Islam in Polen eine staatlich anerkannte Religion. Das Land blickt auf eine lange Tradition des Zusammenlebens mit tatarischen Siedlern zurück, denen schon im 14. Jahrhundert Religionsfreiheit gewährt wurde. Durch zahlreiche Immigranten hat sich in den letzten Jahren die Struktur der muslimischen Bevölkerung verändert. Die Muslime profitieren in Polen von in Europa seltenen Rechten wie schulischem Religionsunterricht und ritueller Bestattung. Intensiv gepflegt wird auch der christlich-muslimische Dialog.

Jerzy Szymik: Czesław Miłosz und die Theologie
Das polnische Parlament hat zum 100. Geburtstag von Czesław Miłosz (1911—2004) das Miłosz-Jahr 2011 ausgerufen. Der Dichter, der von 1951 bis 2000 im Exil in Frankreich und in den USA lebte und 1980 den Nobelpreis für Literatur erhielt, ruft noch heute Kontroversen hervor, weil sein Verhältnis zu Polen und zur katholischen Kirche niemals ungetrübt war. Zu denjenigen, die Miłosz sehr schätzen, gehört der Autor dieses Beitrags, der sich mit dessen Werk aus theologischer Perspektive kritisch auseinandersetzt.

Jens Herlth: Russland als "Reich des Bösen" im polnischen Geschichtsdenken
Der Flugzeugabsturz von Smolensk am 10. April 2010, bei dem der polnische Präsident und andere hochrangige Persönlichkeiten ums Leben kamen, hat ein Schlaglicht auf das schwierige polnische-russische Verhältnis geworfen. Das Bild Russlands als Ursache alles Bösen ist im kulturhistorischen Gedächtnis Polens tief verwurzelt. Der Autor spürt in diesem Essay den literarischen Traditionen des dämonisierten Russland-Bildes nach.

Bojan Grobovšek: Die Identität Sloweniens 20 Jahre nach der Unabhängigkeit
Am 25. Juni 1991 erklärte Slowenien seine Unabhängigkeit von Jugoslawien. Anlässlich des 20. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung hielt der slowenische Botschafter in der Schweiz, Bojan Grobovšek, am Institut für slawische Sprachen und Kulturen der Universität Bern, folgenden Vortrag, den wir an dieser Stelle ungekürzt abdrucken. Im Institut existiert bereits seit 1981 ein eigenes Lektorat für slowenische Sprache und Kultur.

Stefan Kube: Papstbesuch in Kroatien
Vom 4. bis zum 5. Juni hat Papst Benedikt XVI. Kroatien besucht. Im Mittelpunkt standen dabei der EU-Beitritt des Landes und der Schutz der Familie. In seinen Ansprachen warnte der Papst vor einem säkularisierten Europa. Von vielen Repräsentanten der katholischen Kirche in Kroatien wurde der Papstbesuch auch in einen Zusammenhang mit Urteilen des Haager Tribunals gegen die kroatischen Ex-Generäle Gotovina und Markač gebracht. Beide gelten vielen in der Kirche eher als Kriegshelden, denn als Kriegsverbrecher.

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