RGOW 1/2012: Kirchen und Europa

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Exemplar bestellen

Im Fokus: Die Reaktionen der griechischen Orthodoxie auf die Finanzkrise
von Georgios Vlantis

Ulrich Ruh: Die Kirchen und Europa

Obwohl Europa von den drei großen christlichen Konfessionen (Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus) geprägt ist, war «Europa» lange Zeit kein eigentliches Thema für die Kirchen. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden kirchliche Zusammenschlüsse auf europäischer Ebene. Angesichts der gegenwärtigen Schuldenkrise sind die Kirchen vor allem herausgefordert, sich an der geistig-kulturellen Selbstvergewisserung Europas zu beteiligen.

Radu Preda: Die Orthodoxe Kirche und das europäische Projekt

(West-)Europa und die Orthodoxie tun sich oftmals schwer miteinander. Zwar sind die meisten orthodoxen Kirchen in Europa beheimatet, doch herrscht nach wie vor Misstrauen und Skepsis zwischen Ost und West. Der Autor führt Gründe für dieses schwierige Verhältnis an und plädiert für einen Umdenkungsprozess, bei dem sowohl (West-)Europa von der Orthodoxie lernt als auch umgekehrt die Orthodoxen von den historischen Erfahrungen der Westeuropäer.

Vasilios N. Makrides: Problemfall (West-)Europa aus griechisch-orthodoxer Sicht

In Griechenland finden sich sowohl starke pro- als auch antiwestliche Haltungen. Bei der Wahrnehmung des europäischen Westens spielt die Orthodoxie eine gewichtige Rolle. Oftmals wird der Westen als Dekadenzkultur angesehen, der auf der anderen Seite ein orthodoxes Überlegenheitsgefühl korrespondiert. Zu unterscheiden gilt es dabei zwischen einem offenen und einem latenten orthodoxen Antiokzidentalismus bzw. Antieuropäismus.

Alena Alshanskaya: Die Russische Orthodoxe Kirche und die europäischen Institutionen

Die Russische Orthodoxe Kirche hat in den letzten Jahren mit einer Reihe von Stellungnahmen auf den europäischen Integrationsprozess reagiert. Zudem hat die Kirche in Brüssel und in Straßburg eigene Vertretungen gegründet, um durch Lobbyarbeit auf die Entscheidungen der europäischen Institutionen einwirken zu können. Zentrales kirchliches Anliegen ist es dabei, das christliche Erbe Europas zu bewahren.

Thomas Kycia: Das Verhältnis der katholischen Kirche und die europäischen Institutionen

Die vorwiegend positive Haltung der katholischen Kirche in Polen zum europäischen Integrationsprozess ist maßgeblich vom Geist des berühmten Versöhnungsbriefes der polnischen Bischöfe von 1965, vor allem aber von Papst Johannes Paul II . und von intellektuellen Laienbewegungen geprägt worden. Mit zahlreichen Initiativen bringt die Kirche ihre Standpunkte in europäische Debatten ein, die sich auch in der vielfältigen katholischen Presse Polens widerspiegeln.

Drucken