RGOW 3/2012: Friedens- und Konfliktpotential von Religionen

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

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Im Fokus: Die Russische Orthodoxe Kirche und die Protestbewegung
von Olga Stieger und Regula Zwahlen

Markus A. Weingardt: Das Friedenspotential von Religionen in Gewaltkonflikten
Religionen wird gemeinhin eher eine konfliktstiftende oder -verschärfende Rolle bei politischen Auseinandersetzungen zugeschrieben. Demgegenüber beleuchtet der Autor die oftmals vergessenen friedensstiftenden Potentiale von Religionen. In Konfliktsituationen können religionsbasierte Akteure gegenüber säkularen Akteuren über einen Vertrauensvorschuss verfügen, der sie als Vermittler prädestiniert. Friedensarbeit sollte deshalb das Profil von Religionsgemeinschaften vermehrt und klar erkennbar prägen.

Stephanie van de Loo: Versöhnung als Provokation
Versöhnung gilt vielfach als ideale Lösung von Konfliktsituationen, dabei ist jedoch häufig unklar, was mit dem Begriff gemeint ist und welche Schritte er impliziert. Die Autorin bestimmt Versöhnung als Prozess wie auch als Ergebnis des Prozesses anhand von sechs notwendigen Elementen. Sie plädiert dabei für ein Festhalten an einem visionären Versöhnungsbegriff.

Armina Galijaš: Zur Positionierung von Religionsvertretern in Bosnien
Die bosnisch-herzegowinische Gesellschaft ist heute weitgehend ethnisch segregiert: Die drei großen Volksgruppen – Bosniaken, Serben und Kroaten – leben nach dem Krieg größtenteils in ethnisch homogenisierten Gebieten. Als Abgrenzungsmerkmal zwischen den drei Gruppen dient vor allem die Religionszugehörigkeit. Die Autorin beschreibt das Verhältnis von Religion und Nation sowie die Positionierung von Religionsvertretern in der Nachkriegsgesellschaft.

Otto Luchterhandt: Religion und Gewalt: Der Fall "Dagestan"
In Dagestan herrscht ein schleichender Bürgerkrieg zwischen staatlichen Sicherheitsorganen und Anhängern eines radikalen Islam. Die Regierung der russischen Teilrepublik und die Vertreter nicht gewaltbereiter islamischer Strömungen im Land versuchen die Gewaltspirale mit differenzierteren Ansätzen zu stoppen – bisher vergeblich: Die prekären sozioökonomischen Verhältnisse stimmen eher pessimistisch.

Jean Nicolas Bitter, Dieter von Bingen: Der islamisch-säkulare Dialog in Tadschikistan
In Tadschikistan tobte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Bürgerkrieg um die Verteilung der Macht. Seit dem Friedensabkommen von 1997 hat unter anderen die Schweiz Projekte unterstützt, die den Dialog zwischen säkularen und religiösen Konfliktparteien fördern sollen. Der Fokus liegt dabei auf einem «Dialog durch Praxis»: der Planung und Umsetzung gemeinsamer Projekte, die dem friedlichen Zusammenleben dienen.

Martin Tamcke: Arabischer Frühling: Auch für orientalische Christen?
Der sog. Arabische Frühling hat zu fundamentalen Umwälzungen in den Ländern des Nahen Ostens geführt, wovon nicht zuletzt auch die christlichen Minderheiten betroffen sind. In Ägypten kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Kopten und dem Militär, weil sich viele junge Christen nicht mehr mit den Diskriminierungen abfinden wollen. In Syrien verhält sich dagegen das Gros der Christen bisher eher abwartend.

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