RGOW 1/2013: Geschichtspolitik

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

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Im Fokus: Kirchliche Reaktionen auf die Freisprüche kroatischer Ex-Generäle
von Stefan Kube

GESCHICHTSPOLITIK

Elena Temper: Slawische Idee im heutigen Belarus
In der belarussischen Geschichtspolitik spiegelt sich das Verhältnis des Minsker Regimes zur Moskauer Führung wider. Präsident Lukaschenko betont mal die brüderliche Verbundenheit zwischen Belarussen und Russen, mal stilisiert er Belarus zum universellen Zentrum der orthodoxen slawischen Zivilisation. Letztlich dienen die unterschiedlichen geschichtspolitischen Konzeptionen aber vor allem Lukaschenkos Machterhalt.

Julia Richers: Geschichtspolitik und Erinnerungskulturen in Ungarn
In Ungarn ist eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte während der beiden Weltkriege und der sozialistischen Zeit bisher weitgehend ausgeblieben. In der offiziellen Geschichtspolitik werden stattdessen die Horthy-Ära idealisiert und die Verbrechen der nationalsozialistischen und kommunistischen Diktatur allein externen Mächten zugeschrieben. Ablesbar ist dies vor allem an der Präambel der neuen ungarischen Verfassung und an der geschichtspolitischen Konzeption des Museums "Haus des Terrors".

Georgij Kas'janov: Geschichtspolitik in der Ukraine
Der Versuch der Regierung unter Viktor Juschtschenko, die Ukraine auf der Basis einer einheitlichen Nationalgeschichte zu einen, sind gescheitert: Geschichtspolitische Streitfragen spalten die Gesellschaft nach wie vor. Angesichts der regionalen Vielfalt versucht sein Nachfolger Viktor Janukovytsch diese Fragen wieder in den Hintergrund zu drängen. Zwar führt er das unter Juschtschenko forcierte nationale Gedächtnis der Hungersnot von 1932/33 weiter, dabei verzichtet er jedoch auf dessen antirussische Stoßrichtung.

Alexej Miller: Erinnerungspolitik Russlands
Der Umgang mit der sowjetischen Vergangenheit ist die größte erinnerungspolitische Herausforderung im heutigen Russland. In den letzten Jahren unterlag die staatliche Geschichtspolitik mehrfachen Schwankungen: Von 2003 bis 2008 wurde eine «positivere» Darstellung der sowjetischen Geschichte unterstützt. Im Jahr 2011 formierte sich dagegen eine breite Koalition von liberalen, kirchlichen und regierungsnahen Kräften, die auf eine politische und rechtliche Verurteilung der Verbrechen des kommunistischen Regimes hinarbeiteten. Diese Tendenz stagniert nach dem für Russland ereignisreichen Jahr 2012.

RUSSLAND

Regula Zwahlen: Welche Strafe für verletzte Gefühle?
In Russland wird gegenwärtig ein Gesetzesentwurf gegen die Beleidigung religiöser Gefühle und die Schändung religiöser Stätten» diskutiert. Der vorliegende Entwurf wird jedoch von den Religionsgemeinschaften mit Skepsis betrachtet, von der russländischen Gesellschaftskammer verworfen und in den Medien im Rahmen einer Klerikalisierungsdebatte kontrovers diskutiert.

BULGARISCHE KIRCHE

Christian Geiselmann: Der nächste Patriarch: Polarisierer oder Mediator?
Mit dem Tod von Patriarch Maksim Anfang November 2012 geht für die Bulgarische Orthodoxe Kirche eine Epoche zu Ende: Über 40 Jahre leitete Maksim die Geschicke seiner Kirche. Um die Patriarchennachfolge sind bereits Auseinandersetzungen unter den Bischöfen entbrannt. So kam es zwischen Metropolit Nikolaj und Metropolit Kiril zum Konflikt um die Wahl des Amtsverwesers des verstorbenen Patriarchen.

Tags: Ukraine

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