RGOW 6/2013: Griechenland

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

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Im Fokus: Patriarch Kirill auf historischem Besuch in China
von Olga Stieger

George N. Tzogopoulos: Griechische Politik und die „Goldene Morgenröte“ 
Bei den letztjährigen Parlamentswahlen gelang der rechtsextremistischen und neofaschistischen Partei „Goldene Morgenröte“ ein beachtlicher Wahlerfolg. Der Autor führt dies darauf zurück, dass die griechische Wirtschaftskrise von einer tiefgreifenden politischen Krise begleitet wird. Dies hat zur Folge, dass sich viele Menschen von den traditionellen Parteien abwenden und für nationalistische und fremdenfeindliche Parolen empfänglich sind.

Christos Katsioulis: Eine Gesellschaft mit Rissen
Streiks und Demonstrationen prägen das Bild Griechenlands in den internationalen Medien. Dabei wird zumeist die Binnendifferenzierung der griechischen Gesellschaft übersehen: Die relativ häufig streikenden Angestellten im Öffentlichen Dienst stehen im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen noch gut dar. Um die griechische Gesellschaft zu reformieren, wären eine wirkliche Reform des Öffentlichen Dienstes und ein fairer Lastenausgleich bei der Krisenbewältigung geboten.

Pantelis Kalaitzidis: Populistische Diskurse in der Orthodoxen Kirche von Griechenland 
Die Orthodoxe Kirche von Griechenland gibt in der Krise ein uneinheitliches Bild ab: Auf der einen Seite betätigt sich die Kirche in vielen Bereichen sozial vorbildlich und in ihren Reihen finden sich Kleriker und Theologen, die einen selbstkritischen Umgang der Kirche mit der Krise fordern. Auf der anderen Seite gibt es jedoch radikale und fundamentalistische Strömungen in der Kirche, die vor allem das westliche Ausland für die Krise verantwortlich machen. In ihrem antiwestlichen Diskurs kombinieren diese populistischen Gruppen konservatives Gedankengut mit einer „revolutionären“ linken Rhetorik.

Heinz-Jürgen Axt: Griechenland in der Krise und die Folgen für seine Nachbarn 
Von der Krise in Griechenland sind auch die anderen südosteuropäischen Länder betroffen. Die Nachbarstaaten haben unter einer nachlassenden wirtschaftlichen Dynamik und ansteigender Arbeitslosigkeit zu leiden. Neben ökonomischen Ansteckungsgefahren drohen auch politische Folgeprobleme: Reformkräfte in den Balkanstaaten haben es zunehmend schwerer und generell nimmt in der EU die Erweiterungsmüdigkeit zu.

Jannis Panagiotidis: Machen hohe Zäune gute Nachbarn? 90 Jahre Vertrag von Lausanne 
Der griechisch-türkische Bevölkerungsaustausch von 1923 stand am Ende eines Jahrzehnts ethnischer Säuberungen und wurde als Voraussetzung für Frieden angesehen. Der Bevölkerungsaustausch führte jedoch nicht nur zu einer nationalen Homogenisierung von Griechenland und der Türkei, sondern auch zu einer stärkeren Vermischung von Bevölkerungsgruppen. Als Methode der Konfliktlösung muss der Bevölkerungsaustausch kritisch gesehen werden: Vor dem Hintergrund individueller Menschen- und Bürgerrechte lassen sich „Völker“ heute nicht mehr kollektiv verschieben.

Sebastian Rimestad: Die russische Orthodoxie in Westeuropa 
Die Situation russisch-orthodoxer Gemeinden in Westeuropa gestaltet sich recht unterschiedlich. In Frankreich geht es momentan insbesondere um die Frage, wer neuer Vorsteher des „Erzbistums russisch-orthodoxer Kirchen in Westeuropa – Exarchat des Ökumenischen Patriarchats“ wird, und wie die Zukunft des Erzbistums aussieht. In Großbritannien hat sich eine vielgestaltige orthodoxe Landschaft entwickelt, während in Deutschland vor allem die Gemeinden des Moskauer Patriarchats ein rasantes Wachstum erleben.

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