RGOW 2/2014: Russland – Litauen

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Im Fokus: Die Chancen und Risiken von Sotschi
von Jens Siegert, Heinrich Böll-Stiftung Moskau

RUSSLAND

Alicja Curanović: Immigration in Russland – der wankende Turm zu Babel
In Russland sorgen gewalttätige Zusammenstöße zwischen Arbeitsmigranten und Russen in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Bei der Bewältigung der sozialen Immigrationsprobleme arbeitet der Staat neuerdings eng mit den „traditionellen“ Religionen zusammen. Die Russische Orthodoxe Kirche, aber auch die muslimischen Institutionen etablieren vermehrt Integrationszentren im In- und Ausland, in denen Immigranten die russische Kultur und Sprache lernen können. Gleichzeitig steigt im russländischen Vielvölkerstaat die problematische Tendenz, Religionszugehörigkeit vermehrt in enger Verbindung mit ethnischer Identität zu betrachten.

Tobias Köllner: Orthodoxe Religion bei Unternehmern im zeitgenössischen Russland
Unternehmerisches Handeln und orthodoxes Christentum sind in Russland auf vielfältige Weise verbunden. Viele Unternehmer finanzieren Kirchenneubauten, organisieren Pilgerfahrten für ihre Belegschaften, beteiligen sich an der Errichtung religiöser Denkmäler oder pflegen eine persönliche, häufig lebenslange Beziehung zu einem Beichtvater. Dabei handeln die Unternehmer nicht ausschließlich nutzenorientiert, sondern aufgrund unterschiedlicher religiöser, moralischer und gesellschaftlicher Motivationen.

Ivan Kurilla: Wozu braucht Russland Bildung und Wissenschaft?
Die zu sowjetischen Zeiten prestigeträchtige Hochschullandschaft Russlands steckt heute in einer Krise. Der neue Handlungsspielraum der 1990er Jahren zeitigte auch negative Folgen wie den „Diplomhandel“. Der Anschluss an den Bologna-Prozess im Jahr 2003 ließ eine ineffiziente Bildungsbürokratie entstehen. Zudem ist seit dem 1. September 2013 in Russland ein neues Bildungsgesetz in Kraft, das einen wesentlichen Stellenabbau im Hochschulbereich vorsieht. Erst seit kurzem regt sich dagegen Widerstand, so dass in der Bildungslandschaft neue horizontale Solidaritätsnetze entstehen.

Olga Litzenberger: Die römisch-katholische Kirche im heutigen Russland
Die römisch-katholische Kirche in Russland ist eine Minderheitenkirche, nur etwa 0,5 % der Gesamtbevölkerung bekennen sich zur ihr. Die häufig weit von einander entfernt liegenden Gemeinden stellen die Kirche vor große Probleme. Weitere Herausforderungen sind der fehlende Priesternachwuchs und das komplizierte Verhältnis zur Russischen Orthodoxen Kirche. Im Interview beschreibt Bischof Clemens Pickel seine Erfahrungen aus der Diözese Saratov.

LITAUEN

Arūnas Streikus: Die katholische Kirche in Litauen im 20. Jahrhundert
Die Besetzung Litauens durch die Sowjetunion 1940/44 hatte auch weitreichende Folgen für die katholische Kirche des Landes. Die Kirche wurde immer wieder zur Zielscheibe der sowjetischen antireligiösen Politik. In den 1970er und 1980er Jahren entwickelt sich ein vielfältiges kirchliches Untergrundleben. Im postsowjetischen Litauen ist die katholische Kirche noch auf der Suche nach ihrer Rolle in der Gesellschaft.

Jürgen Buch:  Ein jeder Stein ist Buch – Wiederaufbau der Synagoge in Vilnius
In der Altstadt von Vilnius soll die Große Synagoge und Teile des ehemaligen jüdischen Viertels teilweise wieder aufgebaut werden. Das Projekt will an das jüdische Erbe der Stadt anknüpfen und könnte das Stadtbild von Vilnius grundlegend verändern. Bis zum Zweiten Weltkrieg galt Vilnius als „Jerusalem des Nordens“ und als ein Zentrum der jüdischen Kultur und Aufklärung.

ORIENTALISCHE KIRCHE

Wolfgang Schwaigert: Die Melkitische Griechisch-Katholische Kirche
Die Melkitische Griechisch-Katholische Kirche ist die einzige orientalisch-katholische Kirche, die der byzantinischen Tradition folgt. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil war es der melkitische Patriarch Maximos IV. Sayegh, der sich gegen eine weitere Latinisierung der unierten Kirchen aussprach. Der jetzige Patriarch Gregorios III. Laham setzt sich vor allem für eine Verständigung zwischen Christen und Muslimen ein.

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