Geschichte

Gründung des Instituts G2W („Glaube in der 2. Welt")
Das Institut G2W wurde 1972 mit dem Ziel gegründet, die Öffentlichkeit über die Unterdrückung von Kirchen und Religionsgemeinschaften im kommunistischen Ostblock aufzuklären. Der entscheidende Impuls zur Gründung des Instituts ging von Eugen Voss, Pfarrer der reformierten Kirchgemeinde St. Moritz (Kanton Graubünden, Schweiz), aus, der russland-schweizerischer Herkunft ist.

Bei einem Besuch seiner Verwandten in der Sowjetunion in den 1960er Jahren erfuhr er, dass die Lage der Kirchen und Religionsgemeinschaften dort ganz anders und vor allem viel schlimmer war, als sie in den westlichen Medien dargestellt wurde. Insbesondere die harte und einschneidende administrative Einschränkungs- und Kirchenschließungskampagne unter Chruschtschow (1958-1964), die nach 1964 zwar in ihrer Radikalität zurückgenommen, aber nicht grundlegend verändert worden war, gelangte im Westen kaum zur Kenntnis. Daher hielt Eugen Voss an der Pfarrersynode der reformierten Landeskirche des Kantons Graubündens 1968 einen Vortrag über das Thema „Neue Dokumente zur Lage der Christen in der Sowjetunion". Darauf erteilte ihm die Synode den Auftrag, ein Konzept zur systematischen Sammlung, Interpretation und Verbreitung solcher Dokumente und Nachrichten zu entwickeln. Er schlug vor, dafür ein eigenes Institut zu schaffen.

Am 10. Juli 1972 gründeten der evangelisch-reformierte Kirchenrat des Kantons Graubündens und der römisch-katholische Bischof von Chur, Johannes Vonderach, die „Forschungs- und Informationsstelle Religion und Kirche im kommunistischen Einflussbereich" (FIRKKE), die bald den griffigeren Namen „Glaube in der 2. Welt" (G2W) erhielt. Das Institut wurde in der juristischen Form eines Vereins organisiert und war eine der ersten ökumenischen Einrichtungen in der Schweiz mit einer starken Bindung an die Landeskirchen.

Seinem Informationsauftrag kam das neu gegründete Institut durch eine Monatszeitschrift, Vorträge, Broschüren, Artikel in der Tages- und kirchlichen Presse sowie durch Bücher, von denen viele im 1981 gegründeten hauseigenen Verlag veröffentlicht wurden, nach. Die erste Ausgabe der Zeitschrift, die im Januar 1973 erschien, war ein einfacher Materialdienst. Daraus entwickelte sich in den folgenden Jahren das Publikationsorgan „Glaube in der 2. Welt. Zeitschrift für Religionsfreiheit und Menschenrecht" (G2W), seit Juli 2001 mit dem Untertitel „Ökumenisches Forum für Religion und Gesellschaft in Ost und West". Seit September 2011 erscheint die Zeitschrift unter dem neuen Titel Religion & Gesellschaft in Ost und West (RGOW).

Engagement zu Zeiten des Kalten Krieges
Während der ersten zwei Jahrzehnte war die Arbeit von G2W vom Kalten Krieg geprägt. Europa war durch den „Eisernen Vorhang" in zwei Teile zerrissen und die Kommunikation zwischen den beiden Teilen gestaltete sich außerordentlich schwierig. Besonders herausfordernd war es, ein zuverlässiges Bild über das Schicksal der Kirchen und Religionsgemeinschaften zu vermitteln. Das Institut G2W, von Pfr. Eugen Voss von 1972 bis 1991 geleitet, baute dazu ein reiches Kontaktnetz auf, u.a. stand es mit dem bekannten russischen Menschenrechtskämpfer Andrej Sacharov in Verbindung. Zudem engagierte es sich im KSZE-Prozess, um so jenen Menschen Gehör zu verleihen, deren Stimmen zum Schweigen verurteilt waren.

Praktische Hilfe von Mensch zu Mensch, damals „Osthilfe direkt" genannt, und Fürbittenpartnerschaften kamen dazu. Seit 1981 gibt es die Literaturhilfe von G2W. Im gleichen Jahr begann auch die Unterstützung von religiösen Radiosendungen der mit dem Institut St. Serge in Paris eng verbundenen Organisation „La Voix de l'Orthodoxie". Seit 1996 wurden die Radiosendungen direkt aus Russland von der G2W-Partnerorganisation, der orthodoxen Bruderschaft der Hl. Anastasija (Radiostation „Grad Petrov"), geleitet.

Trotz aller Behinderungen und Schwierigkeiten durch Mauer, Stacheldraht, Informationssperren, Zensur und gezielter Wahrheitsverfälschung gelang es G2W, ein tragfähiges Beziehungsnetz zwischen Ost und West aufzubauen. Mit Glasnost und Perestrojka in der Sowjetunion, mit der Wende in Osteuropa und mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 änderten sich auch die Arbeitsbedingungen für G2W.

Neue Aufgaben nach der Wende von 1989
Mit der politischen Wende in Osteuropa fiel auch ein Führungswechsel bei G2W zusammen: Neuer Institutsleiter wurde Erich Bryner (1991-2005). Auch das Arbeitsfeld von G2W veränderte sich: Einerseits mehrten sich die Stimmen, dass G2W mit dem Ende des Kalten Krieges seine Aufgabe erfüllt habe. Andererseits baten uns viele unserer langjährigen Partner im Osten, sie gerade jetzt nicht im Stich zu lassen, unsere Informationsarbeit weiterzuführen und unsere Hilfstätigkeit zu intensivieren.

Denn die neuen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen brachten vielfach neue Probleme hervor: eine geistige Orientierungslosigkeit in den Transformationsländern, der Wiederaufbau der zerstörten kirchlichen Strukturen, schließlich auch Fragen der Vergangenheitsbewältigung. Hinzu kam die Problematik der Neugestaltung des Kirche-Staat-Verhältnisses und des Aufbaus einer Zivilgesellschaft. Die anfängliche Wende-Euphorie wich angesichts neu erwachter Nationalismen, daraus entstehender Konflikte und Kriege (Ex-Jugoslawien) sowie angesichts fortbestehender Minderheitenprobleme, Anti-Ökumenismus und Antisemitismus einem neuen Problembewusstsein. All dies waren Gründe, die Informationstätigkeit von G2W keineswegs aufzugeben.

Auf dem Gebiet der praktischen Hilfstätigkeit weitete G2W seinen Aktionsradius sogar noch aus: Über die jahrelang gewachsenen Kontakte trafen Hilfsgesuche ein. Systematisch wurde daher eine Projektarbeit aufgebaut - mit dem Schwerpunkt in Russland, aber auch mit Projekten in den ostmitteleuropäischen Ländern. G2W entwickelte für seine Arbeit in Russland ein eigenes Hilfskonzept, das an der Basis ansetzt und vor allem mit Kirchgemeinden, Bruderschaften der orthodoxen Kirche, mit sozialen Vereinigungen wie „Glaube, Hoffnung, Liebe" (Moskau) und anderen zuverläßigen und anerkannten Partnern zusammenarbeitet. Am 25. Mai 1992 wurde die G2W-Kontaktstelle in Moskau, die maßgeblich von Franziska Rich aufgebaut worden war, vom russischen Justizministerium registriert. Die Kontaktstelle mit dem Namen „G2W-Informationsbüro Moskau" erleichterte den administrativen Ablauf der Russlandhilfe erheblich und trug zur Effizienzsteigerung bei. 2006 wurde das Informationsbüro aufgelöst, da die bürokratischen Aufgaben nun auch von der Schweiz aus gelöst werden konnten.

Namensänderung des Vereins und des Instituts
An der Jahresversammlung 2008 beschlossen die Mitglieder des Vereins „G2W - Glaube in der der 2. Welt" eine Namensänderung des Vereins und des Instituts. Diese drängte sich auf, da die „Zweite Welt" als isolierter Block mit einheitlicher Ideologie heute nicht mehr existiert. Die Entwicklungen nach der Wende und nicht zuletzt die Integration einstiger Ostblockstaaten in die EU haben Europa in den letzten Jahren immer mehr zusammen wachsen lassen. Deshalb verzichteten Verein, Institut und Zeitschrift auf den Namen „Glaube in der 2. Welt", wobei allerdings das Logo G2W beibehalten wurde. So heißen nun Verein und Institut: „G2W - Ökumenisches Forum für Glauben, Religion und Gesellschaft in Ost und West". Der Zeitschrift wurde 2011 in Absprache mit dem Vorstand des Trägervereins ein neuer Titel verliehen: Religion & Gesellschaft in Ost und West (RGOW).

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