RGOW 12/2015: Polen – Russland

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Ende Oktober hat Polen gewählt und der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) ein Comeback beschert. Wie ist dieser Wahlsieg in der politischen Landschaft Polens einzuordnen? Und wie steht es heute um das Verhältnis der katholischen Kirche Polens zu Regierung und Gesellschaft?
Zudem erhalten Sie in diesem Heft Einblicke in die Situation der russisch-orthodoxen Gemeinden im Rahmen der aktuellen Kirchenstruktur sowie zum Phänomen der "politischen Orthodoxie", dem u.a. orthodoxe Laiengruppierungen zuzuordnen sind.

 

pdfInhaltsverzeichnis und Editorial

Leseprobe:
Dorian Winter: Zeit zum Umdenken: Die katholische Kirche in Polen

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Im Fokus: Republik Moldau: Vom Musterschüler zum Problemkind
von Andrei Avram

Jarosław Flis: Machtwechsel in Polen
Die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) hat bei den Parlamentswahlen Ende Oktober 2015 einen fulminanten Sieg errungen und kann eine Alleinregierung bilden. Die bisherige Regierungspartei Bürgerplattform (PO) wurde nach zwei Wahlperioden abgewählt. Der als „Rechtsruck“ bezeichnete Sieg der PiS bedarf jedoch einer Situierung im spezifischen Kontext der politischen Landschaft Polens, der das klasssische Links-Rechts-Schema hinterfragt und die Fragilität der einzelnen politischen Gruppierungen aufzeigt.

Michał Mrugalski: So weit, so nah: Die Polen und die Schweiz
Für viele Polen figurierte die Schweiz im 19. Jahrhundert als Sehnsuchtsort der eigenen freiheitlichen Tradition. Der Unabhängigkeitskämpfer Kościuszko sowie die beiden Nationaldichter Słowacki und Mickiewicz wirkten u. a. in der Schweiz als geistige Führer einer polnischen Zivilgesellschaft im Exil. In der gegenwärtigen Berichterstattung über die fehlende liberale Willkommenskultur in Polen und Osteuropa insgesamt werden solche Traditionen ignoriert.

Dorian Winter: Zeit zum Umdenken: Die katholische Kirche in Polen
Die Kirchenleitung der katholischen Kirche in Polen und die bei den Parlamentswahlen siegreiche Partei Recht und Gerechtigkeit stehen sich ideologisch nahe. Beide Seiten träumen von einem national und kulturell homogenen Polen. Die Gläubigen erwarten von der Kirche jedoch keine politischen Parolen, sondern vor allem Modelle, um ihren Glauben in einer zunehmend pluralistischen Gesellschaft zu leben.

Sergej Tschapnin: Gemeindeleben in der Russischen Orthodoxen Kirche
Auf die „kirchliche Wiedergeburt“ der 1990er Jahre war der russisch-orthodoxe Klerus nicht vorbereitet. Trotz legendärer Massentaufen nehmen heute nur wenige orthodoxe Gläubige aktiv am Gemeindeleben teil. Seit 2009 konzentriert sich die Leitung der ROK auf die Festigung der kirchlich-staatlichen Beziehungen, während viele Anliegen der orthodoxen Gemeinden weiterhin ungeklärt sind. Dazu zählen die Gliederung der Gemeinden, die Rolle des Bischofs, die Stellung der Priester und die Beteiligung der Laien.

Cyril Hovorun: „Politische Orthodoxie“ als kirchliche Herausforderung
„Politische Orthodoxie“ ist ein Phänomen, bei dem sich politische und religiöse Aktivitäten verbinden. Mit Hilfe des orthodoxen Glaubens und kirchlicher Traditionen versuchen bestimmte Gruppen, ihre politischen Ziele umzusetzen. Andererseits passen sich Kirchen politischen Ideologien an, um sich die gesellschaftliche Unterstützung zu sichern. Der Autor, der 2007 an einer kirchlichen Verurteilung der „Politischen Orthodoxie“ mitgewirkt hat, klassifiziert die verschiedenen Arten von „politischer Orthodoxie“.

Bernhard Rothen: Zeuge und Retter: Jakob Künzler und der Völkermord an den Armeniern
Vor 100 Jahren begann der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich. Jakob Künzler, ein evangelischer Missionar aus der Schweiz in Anatolien, erlebte die grausamen Verbrechen aus nächster Nähe mit und dokumentierte sie nüchtern und schonungslos. Nach dem Ersten Weltkrieg verhalfen er und seine Frau tausenden armenischen Waisenkindern zur Flucht aus der Türkei nach Syrien und in den Libanon. Dort eröffneten sie ein Zentrum für 1 400 Waisen und kümmerten sich um deren Ausbildung.

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